Bücher

Kauftipp? The Art of Tomorrow weiß zumindest, welcher junge Künstler bald mehr Stellenwert bekommt

Mit der „Art of Tomorrow“ kannte Solomon R.

von Christiane Meixner
16.09.2010

Guggenheim sich aus. 1939 zeigte er seine Kollektion abstrakter Kunst unter ebendiesem Titel in einem umgebauten Autohaus – der Auftakt zum New Yorker Guggenheim Museum, das ihm Frank Lloyd Wright wenig später baute. „The Art of Tomorrow“ nennt sich nun auch ein Buch aus dem Distanz Verlag, den der Sammler Christian Boros, Uta Grosenick und Angelika Taschen kürzlich gegründet haben. Eine Anthologie, die knapp 80 internationale Künstler unter einem Aspekt versammelt. Sie gehören, behauptet selbstbewusst das Vorwort, zur „nächsten maßgeblichen Generation“.
Was die drei Herausgeber des Bands – Grosenick, Laura Hoptman und Yilmaz Dziewior – innerhalb des riesigen Angebots aktueller Kunstproduktion für verheißungsvoll halten, analysieren 18 Experten. Keren Cytter, Cathy Wilkes, Michael Sailstorfer, Trisha Donnelly, Luis Jacob, Claire Fontaine oder Manuel Graf schreiben allgemein verständlich über Vertreter aller nur möglichen Medien und Stilrichtungen. Große Risiken gingen die Macher dabei allerdings nicht ein, jeder Jungkünstler auf der Liste hat die ersten Karriereschritte schon hinter sich. Und doch ist das Kompendium wohl kaum an Sammler adressiert, die nach den kommenden big names suchen – dafür sind viele Arbeiten zu sperrig und theoretisch geprägt. Sie haben noch mehr gemeinsam, „Charakteristika der zeitgenössischen Kunst“, heißt das im Buch. Auffälligstes Merkmal sei ihr bodenloser Eklektizismus – nicht aufgrund eines Ideenmangels, sondern als Prinzip. Wo nicht mehr an den Fortschritt der Moderne geglaubt werde, „erinnert sich die Kunst von morgen an die Kunst von gestern und gibt ihre Kommentare dazu ab“. Eine detailliertere historische Verortung findet leider nicht statt.
Der Auftrag von „The Art of Tomorrow“ lautet augenscheinlich, so sinnlich und „hochemotional“ zu sein, wie es sich der Verlag zur Aufgabe gemacht hat. An Bildern wird deshalb nicht gespart, wohl aber am Text. Dass die Autorinnen und Autoren weit mehr zum Thema sagen könnten, weiß man. Und würde das auch gern lesen.

Laura Hoptman, Yilmaz Dziewior, Uta Grosenick (Hrsg.): „The Art of Tomorrow“. Auf Deutsch und Englisch. Distanz Verlag, 340 Seiten, 39,90 Euro

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