Preview

Wüster Vogel Jugend: Paris präsentiert Fotografi en des 67-jährigen Larry Clark

Paul McCarthy fragte Larry Clark einmal, ob er sich auch vorstellen könne, eine andere Periode als die Gegenwart zu bearbeiten.

von Sebastian Frenzel
16.09.2010

Es dauerte eine Weile, bis Clark die Frage verstanden hatte, dann stammelte er: „Sie meinen … eine Zeit, bevor ich ... geboren wurde? Interessante Idee.“ Es ist eher unwahrscheinlich, dass Clark sie je umsetzt, denn im Grunde kannte er immer nur ein Thema: das Leben von Jugendlichen im Hier und Jetzt.
Auch der Titel der Retrospektive im Pariser Musée d’art moderne lässt anklingen, dass es den 67-Jährigen eigentlich nur in der aktuellen Form gibt. „Kiss the Past Hello“ heißt die Schau. Die Vergangenheit, die hier wach geküsst wird, beginnt Anfang der 60er-Jahre.
In seiner Heimatstadt Tulsa im amerinanischen Bundesstaat Oklahoma fotografi erte Larry Clark, damals selbst drogenabhängig, die unmittelbare Umgebung, hielt mit der Kamera einfach drauf, während sich die Freunde Spritzen setzten, zugedröhnt herumlungerten, Auto fuhren, mit Waffen hantierten, Sex hatten. Clarks Bilder kennen keine Distanz, kein Pathos, keine Botschaft und zunächst auch wenig Freunde. Für Künstler wie Paul McCarthy, Mike Kelley, Martin Scorsese, Nan Goldin oder Gus Van Sant ist er ein wichtiges Vorbild, der breiten Öffentlichkeit gilt er lange als unzumutbar.
In Paris werden neben den Reihen „Tulsa“ (1971) und „Teenage Lust“ (1983) viele bislang unveröffentlichte Arbeiten präsentiert sowie die späteren Serien, in denen Clark die New Yorker Skaterszene oder das Latino-Ghetto in Los Angeles porträtierte. Die Spielfi lme, mit denen er international bekannt wurde, allen voran „Kids“ (1995), zeigt man nicht. Heute kommt es einem vor, als kopierte jeder zweite Magazinfotograf Clarks Ästhetik. Er selbst spürt, davon unbeirrt, noch immer dem Schrecken und der Schönheit der Jugend nach. Neuerdings wirft man ihm deswegen Altersgeilheit vor – Larry Clark hat in seinem Leben weit schlimmere Vorwürfe gehört.

Musée d’art moderne de la Ville de Paris, 8. Oktober bis 2. Januar 2011

ANZEIGE
AKTUELLES HEFT
Aktuelles Heft

Wie politisch ist die Kunst? Das Monopol-Spezial zur Berlin-Biennale

Kunststadt Berlin Wie geht es weiter? Das Galeristen-Streitgespräch

Gallery Weekend Julian Schnabel, Paul Graham, Kim Gordon u.v.m.

Mode Stil-Ikone Daphne Guinness

Monopol 05/2012
JETZT AM KIOSK, IM SHOP UND AUF DEM iPAD
Werden Sie Fan und folgen Sie uns
Fan Facebook
ANZEIGE