Bücher

Neo Rauch

Reise um die Welt in sechs Buchcovern

Der Leipziger Maler als Illustrator und Zeichner

von Lena de Boer
01.10.2009
Neo Rauchs Entwurf für das Buch "Welt aus Glas", courtesy Frankfurter Verlagsanstaltzur Bilderstrecke
Neo Rauchs Entwurf für das Buch "Welt aus Glas", courtesy Frankfurter Verlagsanstalt

Neo Rauch würde wohl nie wie viele seiner Kollegen irgendwelche schnöden Gebrauchsgegenstände wie Autos oder Jeans aufhübschen. Kirchenfenster hingegen schon, und auch Bücher sind angemessene Bildträger für einen tiefsinnig und schwermütig auftretenden Maler wie ihn. 1997 gestaltete er acht Lithographien zu Kalendergeschichten von Botho Strauß, der gerade mit seinen Texten in der Neuen Nationalgalerie neben Thomas Demands Werken zu sehen ist.

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  • Neo Rauchs Entwurf für das Buch "Welt aus Glas", courtesy Frankfurter VerlagsanstaltUmschlag für "Welt aus Glas"Umschlag für "Reise um die Welt in acht Nächten"Umschlag für "Schutzgebiet"Cover "Schilfland"

Jetzt hat Joachim Unseld, Chef der Frankfurter Verlagsanstalt, Rauch als Illustrator gewinnen können: Der Leipziger gestaltete für sein Haus sechs Buchcover. Der Umschlag zum Roman „Welt aus Glas“ von Ernst Wilhelm Händler greift den Titel auf und zeigt sich kristallin und comichaft. Ein transluzider Untergrund, auf dem schweben opake Kristallen – eigentlich schon ein Widerspruch in sich. Für das Buch „Schutzgebiet“ von Thomas von Steinaecker griff Rauch vor allem zu dunklen Tönen: ein sattes, moosiges Grün und dunkles Braun. Zu sehen ist ein Schutzmann unter einer Sonne, gerahmt von einer großen Tanne und einem Haus mit einfachem Spitzdach. Inwiefern der Umschlag mit dem Inhalt des Romanes korrespondiert – eine Schar Auswanderer trifft sich im Jahre 1913 in einer deutsch-afrikanischen Kolonie in der Steppe – bleibt vor dem Lesen offen.

Dieser Tage erscheint im Prestel-Verlag auch das Buch „Schilfland“ mit zahlreichen bislang unveröffentlichten Zeichnungen und Studien des Künstlers. Ganz beiläufig seien diese entstanden, „das ist so ein Huschen und Krabbeln, fast insektenhaft. Etwas, das einfach zustande kommt nebenher und das mich dann selbst erstaunt, wenn ich es nach längerer Zeit zur Hand nehme“, sagt Rauch dazu.

Die Zeichnung sind delikat und spielerisch. Sie erscheinen viel leichter als seine opulenten Gemälde, doch ebenso surreal wie realistisch wirken sie. Sie „krabbeln“ – wie es der Künstler selbst treffend beschreibt – durch eine Welt, in der Kunst und Realität, Traum und Abbild sich vermischen.

Viele dieser Zeichnungen geben einen Einblick in seinen Schaffensprozess und erleichtern so ganz unverhofft auch einen Zugang zu Rauchs Buchumschlägen. Der Künstler ließ sich vielleicht von den Worten leiten, die im Roman stehen. Doch schnell huschten diese wie Insekten durch sein Atelier, schwirrten auf sein Blatt.

Neben „Welt aus Glas“ und „Schutzgebiet“ hat Rauch auch die Romane „Tausend Trottel“ von Quim Monzó, ZRH von Günter Hack, „Rohlinge“ von Claire Beyer und „Reise um die Welt in acht Nächten“ von Hans Christoph Buch gestaltet. „Schilfland“ erscheint im Prestel Verlag. Die Zeichnungen sind noch bis zum 31.10. in der Berliner Galerie Eigen + Art zu sehen

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