Interpol

Yves Kleins Sprung ins Leere

Er fliegt und fliegt und fliegt ...

Ikarus und Ikone: Vor 50 Jahren sprang Yves Klein in die Leere – Künstler zitieren ihn bis heute

von Sebastian Fenzel
21.10.2010

Den Himmel über Nizza zu signieren und dessen Blau zu einem grenzenlosen, monochromen Bild zu deklarieren war eine seiner leichteren Übungen gewesen. Am 27. November 1960 setzt Yves Klein, Judoka, Mitglied des mystischen Rosenkreuzer- Ordens und selbst ernannter „Maler des Raums“ an, die Schwerkraft zu überwinden, Geist und Materie, Himmel und Erde zu verschmelzen: Sein „Leap Into the Void“ ist eine Geste der Freiheit, die Verkündung einer neuen Ära. Fünf Monate bevor Juri Gagarin ins All fliegt und neun Jahre vor der ersten Mondlandung lässt Klein alle irdischen Beschränkungen hinter sich. Es war ein kleiner Sprung für einen Künstler, aber ein großer für die Kunstgeschichte. 1966 setzt Bruce Nauman mit „Failing to Levitate in the Studio“ den existenzialistischen Kontrapunkt zu Kleins Höhenflug: versuchen, scheitern, wieder versuchen, besser scheitern. Bei Bas Jan Ader wird der Sprung zur Slapsticknummer: Der Holländer dreht in den 70er-Jahren eine ganze Serie von Filmen, in denen er stürzt – von einem Dach oder in eine Amsterdamer Gracht. Auch Ciprian Mures¸an führt das Erbe Kleins weiter, wenn auch nur um drei Sekunden: Seine Fotografie heißt „Leap Into The Void, After Three Seconds“.

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