Interpol

Er ist überall

Hiermit erklären wir 2010 zum offiziellen Hans-Peter-Feldmann-Jahr

von Holger Liebs
21.10.2010

Am 4. November könnte wieder mal seine Stunde schlagen: Dann, wenn in New York, in der Guggenheim- Rotunde, der Hugo-Boss-Preis 2010 verliehen wird, ist Hans-Peter Feldmann einer von sechs nominierten Künstlern, die sich Hoffnungen auf die begehrte Auszeichnung machen. Und wir spekulieren jetzt einfach mal, dass Feldmanns Hoffnungen berechtigt sind ...

Halt. Fangen wir noch mal an. Am 19. November könnte wieder mal seine Stunde schlagen. Dann, wenn in München Hans-Peter Feldmann nicht nur eine ganze Ausgabe des „SZ-Magazins“ gestaltet – die sogenannte „Edition 46“ (wir zeigen hier vorab eine Doppelseite) –, sondern auch eine begleitende, gleichnamige Einzelausstellung in der Pinakothek der Moderne eröffnet. Und noch dazu wird im November das wunderbare kinetische Schattenspiel, welches Feldmann auf der Biennale in Venedig vor einem Jahr inszeniert hat, eine Rolle spielen, wenn in München der neue Louis-Vuitton-Store Opernplatz eröffnet wird – sodass es scheint, als sei die ganze Stadt plötzlich in eine Art Taumel, in ein Feldmann-Fieber verfallen ...

Ach, es ist eigentlich egal, welchen Anlass man nun beschreibt, um die ungewöhnliche, aber mehr als angemessene Omnipräsenz des 1941 geborenen Düsseldorfers in der Kunstwelt zu verdeutlichen. Tatsache ist: Es handelt sich bei Feldmann um eine Art Midas der zeitgenössischen Kunst. Was er anfasst, gerät zum klugen Schauspiel und ruft bei Betrachtern glückhafte Momente hervor.

Das venezianische Schattenspektakel inszenierte er auf aufgebockten MDF-Platten mit billigsten Fundstücken – natürlich streng ausgewählt aus seiner Sammlung. Für die Wiedereröffnung des LV-Stores in Düsseldorf Ende September erwarb Feldmann gefüllte Damenhandtaschen von deren Trägerinnen „für jeweils 500 Euro, weil ich vorher im Fundbüro kein Glück hatte“ – und offenbarte deren Inhalte im Schaufenster an der Kö: Eines der letzten Geheimnisse der Damenwelt – gelüftet; von Kajal über Haribo-Tüte, Penatencreme und Pillendöschen bis zu alten Familienfotos. Sinnfälliger lässt sich Feldmanns spielerische Findetechnik von Alltagsgut kaum in Szene setzen.
In seinen Arbeiten paaren sich Freiheitsdenken und melancholischer und wer sich selbst die Regeln setzt, der darf auch zwischendurch mal jahrelang aussetzen. Längst ist Feldmann aber wieder als Künstler präsent. Und heute stärker als je zuvor ...

Pinakothek der Moderne, München, 19. November bis 13. Februar 2011, in Kooperation mit dem SZ-Magazin“.
Außerdem: „An Art Exhibition“, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid, bis 28. Februar 2011

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