Interpol

Der radikale Gärtner

Radikal einfach und radikal wichtig

Ein Film über subversive Kunst und Werbung

von Daniel Völzke
13.08.2009
Sebastian Horsley, radikaler Dandy
Sebastian Horsley, radikaler Dandy

Radikalität hat mit Überraschung zu tun, darin sind sich alle Experten in diesem Film einig. Sie sind überhaupt recht häufig einer Meinung, all diese schillernden Gestalten, die Regisseur Hermann Vaske zum Thema befragt hat. Sein Film „Der radikale Gärtner“, der heute im Fernsehen läuft, ist ein rasanter Ritt durch die jüngere Kunst- und Mediengeschichte – und kaum etwas kommt hier nicht zur Sprache: Es geht um Geld, Pornografie, Popmusik, Grafikdesign, Politik, Bondage, Kunstauktionen und Sex von Affen, es geht vor allem um den Umschlagspunkt von Kunst in Werbung und darum, welche Formen von Radikalität in beiden möglich sind.

Vaske erlaubt sich bei diesem Schweinsgalopp schöne Abstecher. Er mag Anekdoten, auch wenn sie nicht weiter sachdienlich sein mögen. Der Unterweltdandy Sebastian Horsley oder der lustige „Esquire“-Grafiker George Lois etwa haben ein paar gute Geschichten auf Lager. Malcolm McLaren, der ehemalige Sex-Pistols-Manager, doziert hingegen lieber und führt in diesem Film die lose flatternden Fäden immer wieder neu zusammen.


In diesem Set von Verrückten dann dem Überkünstler Jeff Koons zu begegnen, ergibt durchaus Sinn – seine Antworten sind in ihrer Bedeutungslosigkeit auf eigene Weise extrem. Radikalität bedeutet für ihn eine „frische Perspektive auf die Welt“. Gerne hätte man von ihm auch noch etwas gehört zu Geld und Werbung. Die beste Überleitung zum Thema schafft dann aber der unvermeidliche Jonathan Meese: „Kunst regiert das Geld, aber Geld regiert niemals die Kunst. Wenn es so ist, ist es Werbung.“

Anders sehen das auch die Werbeleute nicht. Fotograf Oliviero Toscani, der die drastischen Benetton-Kampagnen mit entwarf, ist sich sicher, dass Werbung und Radikalität nicht zusammengehören: Die „Asslicker“ von der Werbung würden doch immer sofort ihre Hosen herunterlassen, sobald es ein Kunde von ihnen verlange.

Und dennoch sieht der Film einen Ausweg: Werbung müsse radikal einfach und radikal wichtig werden. Sie müsse sich wie in der Adbusters-Bewegung, die im öffentlichen Raum Werbung manipuliert, gegen die Versprechen richten, die sie selbst produziert.

Eine letzte Steigerung der Adbusters sind für Regisseur Vaske die Großstadtgärtner. Der „radikale Gärtner“ Fritz Haeg empfiehlt: Bringen wir die fundamentale Fürsorge zurück in die Städte!




Der Film läuft heute um 23.15 Uhr auf Arte. Mehr unterwww.arte.tv/de/Kultur-entdecken/Der-Radikale-Gaertner/2785560.html

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