54. Biennale von Venedig
Erleuchtung für die Kunstnation
Bice Curiger hat in Berlin ihr Konzept für die 54. Biennale von Venedig vorgestellt
Illuminazioni, Illuminations: Man könne ihretwegen gerne auch die Betonung auf „-nations“ legen, merkt Bice Curiger lächelnd an, als sie am heutigen Dienstag einen ersten Überblick über ihr Konzept für die 54. Biennale von Venedig gibt. Immer wieder wurde in den vergangenen Jahren der Biennale mit ihren Nationen-Pavillons ein überholtes, anachronistisches Konzept vorgeworfen. Doch die Schweizerin Curiger will den Begriff „Nation“ in diesem Sommer in Venedig neu auslegen: Die Kunst, sagt die Direktorin der Biennale, hat das Potenzial, eine neue Form von Gemeinschaft zu erzeugen. So lädt sie beispielsweise vier Künstler ein, sogenannte Para-Pavillons zu bauen: Monika Sosnowska, Franz West, Song Dong und Oscar Tuazon errichten sie, um die Werke anderer Künstler dialogisch darin zu präsentieren.
Die Großausstellung im Arsenale und im Zentralpavillon soll der „Erhellung des Denkens“ Rechnung tragen. „Mit Illuminazioni soll ein Kunstbegriff ins Zentrum gerückt werden, der die intuitive Erkenntnis betont, eine Begegnung mit Kunst, welche die Instrumente der Wahrnehmung schärft.“ Curiger hat dafür 82 Künstlerinnen und Künstler ausgewählt, mehr als ein Drittel von ihnen ist unter 35. Unter anderem stehen Nairy Baghramian, Elad Lassry, Cyprien Gaillard, Monica Bonvicini und Annette Kelm auf der Künstlerliste, aber auch Namen wie Katharina Fritsch oder Fischli & Weiss.
Zu 80 Prozent entstehen die ausgestellten Werke neu, die meisten davon eigens für die Biennale. Gerade jetzt, wo die Gegenwartskunst so populär geworden ist, sagt Bice Curiger, „muss man die Kunst von innen heraus verteidigen und sie vor allerlei Vulgarisierung beschützen.“
Susanne Gaensheimer bekam auf der Veranstaltung in Berlin die Gelegenheit, kurz über den Deutschen Pavillon zu sprechen. Nach dem Tod Christoph Schlingensiefs könne es kein Pavillon von ihm mehr werden, sondern über ihn. Die Präsentation verfolgt drei Themenschwerpunkte: Schlingensiefs Biografie und die Bedeutung der Bildenden Kunst und der Musik darin, seine Filme sowie das immer noch laufende Projekt „Operndorf“ in Afrika.
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