Museum für Angewandte Kunst in Köln
Lass uns nicht über MTV reden
Wenn man schon die Popkomm nicht mehr hat: Köln feiert in einer Ausstellung "The Art of Pop Video"
Die Musikindustrie pleite, die Musikfernsehsender MTV und Viva in Bedeutungslosigkeit implodiert: Noch vor Kurzem hätte man seine „Thriller“-Erstausgabe dafür verwettet, dass sich das Musikvideo als Kunstform komplett erledigt hat. Aber nein, es ist bereits seit längerer Zeit wieder da – im Internet selbstverständlich, auf YouTube und ähnlichen Portalen; in Download-Stores wie Apples iTunes scheinen Leute inzwischen sogar Geld dafür zu zahlen.
Schon entsteht auch Qualität: Jonas Åkerlund produzierte für Lady Gaga mit dem zehnminütigen Frauengangsterfilm zu „Telephone“ vergangenes Jahr ein Meisterstück der Dekadenz. Und kürzlich präsentierte Spike Jonze ein Video für die amerikanische Alternative-Band Animal Collective.
Gründe genug also für das Museum für Angewandte Kunst in Köln, in „The Art of Pop Video“ die Möglichkeiten noch einmal abzustecken. Die Schau, von Monopol-Filmkritiker Daniel Kothenschulte mitkuratiert, präsentiert Vorläufer des Genres (Andy Warhol beispielsweise arbeitete früh mit MTV zusammen) und die Klassiker aus den 90er-Jahren, als für Größen wie Madonna oder Björk kleine Spielfilme entstanden und Regisseure wie Michel Gondry, Chris Cunningham und eben Jonas Åkerlund und Spike Jonze sich mit erstaunlichen Etats frei ausprobieren konnten. Überraschende Rückkopplungen dieser Gattung mit dem herkömmlichen Spielfilm belegen Werke von Wong Kar-wai oder David Fincher.
Ein weiteres Ausstellungskapitel gilt dem Do-it-yourself-Video, das in der Mitmachkultur der Social Media ästhetisch immer hochwertiger wird – und von der Musikindustrie natürlich sofort gespiegelt und kopiert. Nicht zuletzt untersucht „The Art of Pop Video“ die Schnittstellen zur Kunst, mit Wolfgang Tillmans’ Video für die Pet Shop Boys etwa, frühen Pipilotti-Rist-Hits und neuen Experimenten von Christian Jankowski, Erik van Lieshout oder Carsten Nicolai.
Museum für Angewandte Kunst, Köln, 9. April bis 3. Juli. Eröffnung: Freitag, 8. April, 19:00-22:00
- Wolfgang Tillmans (Künstlerdatenbank)
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