Schickeria Berlin/Braunschweig
Eine schrecklich nette Familie
Die Kunstszene ist wie Facebook: alle sind „Freunde“, aber unverstellt zu sein traut sich keiner.
Anders in der Berliner „Schickeria“: Seit 2003 präsentieren unter diesem Namen bekannte und weniger bekannte Künstler gemeinsam ihre Arbeiten, von Pablo Alonso bis Thomas Zipp. An wechselnden Orten, in Petersburger Hängung, mit vielen Getränken, demokratisch und erst durch die Abschaffung der Hierarchie wirklich erlesen. Getanzt wird auch immer. Jetzt hat das von Olivia Berckemeyer gegründete Off-Projekt eine Kuratorin, die ehemalige Monopol-Mitarbeiterin Gesine Borcherdt, eine Ausstellungsdependance in Braunschweig - und eigene Klatschseiten: „Schickeria – High Society“, erschienen bei Revolver.
Wir lesen: Wenn Jonathan Meese schlecht drauf ist, denkt er an die Mumins oder Scarlett Johansson. Frank Nitsche leistet sich Haselnuss-Vanillekaffeeröstung im KaDeWe. Tine Furler denkt auf dem Weg ins Atelier an Sex. Manfred Peckl hat nur Angst vor Angst. Thomas Rentmeister geht nicht mehr zum Schwaben in der Linienstraße. Anselm Reyle ist von Beruf Geschäftsführer. Norbert Bisky glaubt an das Leben nach dem Tod. Alicja Kwade hat Stephen Hawkings „Eine kurze Geschichte der Zeit“ fünf Mal gelesen. Das ist natürlich ziemlich egal, das Buch aber ist eine unverkrampfte Momentaufnahme der Berliner Kunstszene von innen. sh
„Schickeria – High Society“ läuft noch bis zum 27. November imBDA-Ausstellungsraum in Braunschweig. Weitere Informationen unter www.schickeria-berlin.de

