Ai Weiwei

Henkel vermisst Einsatz der Wirtschaft für Ai Weiwei

Berlin (dpa) - Der frühere Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, vermisst den Einsatz der Wirtschaft für den inhaftierten chinesischen Künstler Ai Weiwei.

29.05.2011

In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa warf Henkel der Wirtschaft Gleichgültigkeit gegenüber Menschenrechtsverletzungen vor. «Deutsche Unternehmen könnten ohne Risiko gegen die Festnahme und das spurlose Verschwinden Ais protestieren - das China-Geschäft würde darunter garantiert nicht leiden», sagte er.

Dies zeige auch die klare Haltung der USA in Menschenrechtsfragen. «Ich wüsste von keinem amerikanischen Unternehmen, das deswegen einen Auftrag in China verloren hätte.» Henkel ist langjähriges Mitglied bei Amnesty International.

Ai war am 3. April verhaftet worden, zwei Tage nach einer von deutschen Firmen mitfinanzierten Ausstellung großer deutscher Museen in Peking.

Nur wenige deutsche Unternehmer, wie zum Beispiel Roland Berger, hätten sich dem von ihm mitinitiierten Berliner Appell zur Freilassung Ais angeschlossen, sagte Henkel. Auf seine Anfrage habe er Antworten bekommen wie «Das ist nicht meine Aufgabe, sondern die von Presse und Politik» oder «Wenn ich etwas öffentlich unternehme, vergebe ich mir die Chance, vor Ort zu handeln». Das seien alles «Ausreden», sagte der frühere BDI-Präsident. Die Berliner Erklärung hätten mittlerweile mehr als 3000 Menschen unterzeichnet. «Ich bin von den Firmen enttäuscht.»

Einige Manager hätten sogar behauptet, China brauche keine Demokratie. «Das ist ein zynisches Argument», sagte Henkel. Japan und Südkorea seien das beste Beispiel, dass asiatische Staaten demokratisch regiert werden könnten. Es wäre eine «deprimierende Erkenntnis», wenn sich in einem Land wie China nur Marktwirtschaft, nicht aber auch Demokratie und universale Menschenrechte durchsetzen würden, meinte er.

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