54. Venedig-Biennale

Palazzo Grassi

Im Zweifel für den Sammler?

Der Luxusgütermagnat und Sammler François Pinault gibt in Venedig ganz schön an

von Silke Hohmann
31.05.2011

Es ist wenig originell, durch diesen Palast in fantastischer Lagunenlage zu wandern und über die eitle Schau zu schimpfen, die sich der Milliardär François Pinault hier hat einrichten lassen. So viel trotzdem: Ein Kronleuchter als Basketballkorb von David Hammons hängt im Eingangsbereich an der Wand und sagt eigentlich schon alles, „Bling-Bling“ und „Wir wollen nur spielen“. Hier sind reihenweise schlechte Werke von teilweise sehr guten Künstlern untergebracht.

Nun also zu den angenehmeren Nachrichten aus dem Hause Pinault. In der zweiten Präsentation, „In Praise of Doubt“, finden sich sehenswerte Säle und Arbeiten. Darunter eine, die sich eigentlich in einem staatlichen Museum befinden sollte statt in einer Privatsammlung: Edward Kienholz’ erste Rauminstallation überhaupt, „Roxys“ (1960/61). Die Nachbildung eines Bordells in Las Vegas hat ihren spießigen Schauer nicht eingebüßt. Auch wenn Kienholz gerade nicht im Fokus der Szene steht, kommt garantiert eine Wiederentdeckung, jedes seiner Themen bleibt aktuell.

Pinault kauft nicht nur hemmungslos möglichst teure Kunst auf dem secondary market, sondern gibt andererseits bei jungen Künstlern große Installationen in Auftrag. Tatiana Trouvés obsessive Einbauten setzen sich gegen die mächtige Architektur von Tadao Ando, der ein altes Handelskontor umgestaltet hat, besser durch als alle Donald-Judd-Skulpturen zusammen. Elaine Sturtevant, zeitgleich auf der Biennale vertreten und (neben Franz West) für ihr Lebenswerk mit dem Goldenen Löwen geehrt, hat in einem anderen prägnanten Raum die Decke mit Kohlesäcken abgehängt, sodass man sich vor „Duchamp 1200 Coal Bags“ verneigen muss. Wie immer wieder vor Marcel Broodthaers, auch wenn seine Camping-Installation harte Konkurrenz hat: beim Blick aus dem Fenster hinüber zum Lido.

Die Ausstellung liefert keine Nuancen, nur Kracher, die sich kein bisschen aufeinander beziehen. Sie übertönen sich wie das Plätschern des „Three Head Fountain“ von Bruce Naumans Video „Clown Torture“. Doch für die wenigen guten Arbeiten – vor allem Tatiana Trouvés – lohnt sich der Besuch. Und eben wegen der Aussicht.

Palazzo Grassi, Venedig, bis 31. Dezember 2012

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