54. Venedig-Biennale

Interview

Was macht die Kunst, Miuccia Prada?

Die Herrin des Modeimperiums stellt ihre Kunstsammlung aus – in einem Palazzo in Venedig, wo sonst?

05.07.2011

Frau Prada, früher wohnte hier eine Dame, die mal Königin von Zypern werden sollte — jetzt residiert hier eine Fashion-Queen. Wie kam es dazu?
Nun ja, mit Caterina Cornaro möchte ich mich nicht vergleichen. Es war jedenfalls Zufall. Man hat uns das Angebot gemacht: Wollt ihr dieses Haus bespielen? Mein Mann Patrizio Bertelli und ich sahen uns diesen Palazzo an und dachten: Unmöglich, nein, viel zu groß, aber dann mochten wir ihn doch.

In Mailand haben Sie mit der Fondazione einen Ort, an dem Sie große Produktionen zeitgenössischer Kunst, abgestimmt auf den Ort, stemmen. Hier zeigen Sie Ihre eigene Sammlung. Warum?
Die Fondazione in Mailand wird von Rem Koolhaas bis zum Jahr 2013 umgebaut. Dort soll die Sammlung auch ihren festen Ort finden. Der Titel der Ausstellung ist programmatisch: „Fondazione Prada – Ca’ Corner della Regina“. Es geht um die Standorte. Wir dachten, lass uns in Venedig vorab schon ein wenig von der Geschichte der Fondazione Prada zeigen – und auch in die Zukunft blicken: Koolhaas’ Modelle des zukünftigen Stiftungssitzes sind ein Teil der Ausstellung.

Und Sie arbeiten mit der Eremitage in St. Petersburg und den Museen in Katar zusammen ...
Ja, wir wollen beispielsweise Ausstellungen von dort hierherbringen. Und wir werden mit Katar einen Preis für kuratorische Leistungen ausloben. Wir stehen ja noch am Anfang – wenn man bedenkt, dass wir hier Ende vergangenen Jahres damit begonnen haben, die Räume herzurichten ...

Das ging allerdings schnell — gab es keine bürokratischen Hürden?
Nein, das war fantastisch! Eine Überraschung ... die städtischen Museen, die uns das Gebäude zur Verfügung stellen, vertrauen uns. Beide Seiten hatten den starken Willen, hier einen Ort für zeitgenössische Kunst zu schaffen. Es war die einfachste Sache der Welt.

Sie zeigen hier erstaunliche Arbeiten, italienische Nachkriegskunst, Alberto Burri, Enrico Castellani, Mario Schifano, frühe Manzonis, Lucio Fontana ... Wie kam die Sammlung zustande?
Wir sammeln seit mehr als 20 Jahren. Aber ich hasse eigentlich das Wort Sammler. Es ist so: Wenn ich etwas sehe, will ich es haben. Das ist ein bisschen vulgär, aber …

… ein zutiefst menschlicher Trieb.
Genau. Aber zunächst haben wir über die Künstler gelesen, haben sie studiert. Und dann gekauft. Aber es gab eigentlich nie die Absicht, eine Sammlung aufzubauen. Vielleicht kann man in der Zukunft eine Logik darin erkennen, aber wenn, dann ist diese Logik sehr persönlicher Natur. Nein, man kann wirklich nicht von einer Sammlung sprechen.

Ein Statement?
Nein, auch das nicht. Es ist eine Art mentaler Trip, eine Reise. Ich kaufe nie etwas, von dem ich denken würde, dass es keine Bereicherung für meinen Intellekt wäre. Wir müssen es mögen. Natürlich, manche Dinge sind zu teuer. Aber nur um des Sammelns willen sammeln? Nein.

Damit hebt sich Ihre Präsentation auch wohltuend von anderen Trophäensammlungen ab. Kuratiert hat Germano Celant. Er war ein Herold der italienischen Arte povera, aber in der Sammlung ist kaum etwas davon zu sehen ...
Na ja! Es hätte ansonsten wie seine Idee ausgesehen, oder? Nein, wir haben unseren eigenen Kopf. Es gibt keine Arte povera oder kaum: Wir haben Werke von Pino Pascali in der Ausstellung.

Ein Statement ist die Schau trotzdem. Wenn man bedenkt, dass der Kurator des italienischen Pavillons, Vittorio Sgarbi, die Arte povera am liebsten abschaffen würde ...
Dagegen ist unsere Ausstellung schon ein komplettes Anti-Statement, ja. Sgarbi ist vor allem ein Connaisseur der Kunst des 18. Jahrhunderts, darin ist er sehr gut. Und er ist clever. Aber er kann auch ein Albtraum sein ...

Fondazione Prada im Palazzo Ca Corner della Regina, Venedig