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53. Venedig-Biennale

"Das würde Berlusconi gefallen"

Seit Monaten streiten die Italiener um ihren nationalen Pavillon, auf den die Berlusconi-Regierung direkten Einfluss genommen hat.

von Elke Buhr
10.06.2009
Daniele Galliano "Hic et nunc", 2009, courtesy der Künstler, Torino
Daniele Galliano "Hic et nunc", 2009, courtesy der Künstler, Torino

Kulturminister Sandro Bondi hatte mit den Kuratoren Luca Beatrice und Beatrice Buscaroli ein politisch genehmes Kuratorenteam engagiert, das von Kritikern von Anfang an als „B & B“ verspottet wurde. Die beiden haben aus dem Pavillon etwas gemacht, was Berlusconis Anhänger als selbstbewusste nationale Präsentation von Unabhängigkeit verstehen, was in Wirklichkeit aber ein kompletter Absturz in die Provinzialität bedeutet: Retro-Futurismus und schrecklichster Kitsch von im internationalen Kunstbetrieb größtenteils komplett unbekannten Künstlern füllen den Ausstellungsraum.

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„Unser Pavillon ist wie eine hässliche Fotografie, eine totale Nabelschau; er macht aus Italien künstlerisch ein Land der Regionalliga“, kommentierte der ehemalige Biennale-Kurator Francesco Bonami, und die Repubblica schrieb, sogar Montenegro und die Arabischen Emirate hätten eine deutlich bessere Präsentation als Italien. „Es ist eine komplette Katastrophe“, sagte auch Kurator Massimiliano Gioni gegenüber Monopol. „Allerdings haben wir mit Berlusconis Minderjährigen-Skandal zur Zeit noch schlimmere Probleme.“

Für Berlusconi-Anhänger ist der italienische Pavillon dagegen eine gelungene politische Machtdemonstration. Die „Italia“-Lettern, die den früheren italienischen Pavillon auf dem Biennale-Gelände schmückten, bevor er jetzt zum „Palazzo delle Esposizioni“ umbenannt wurde, wurden in den Garten hinter dem Arsenale gerettet, wo sie jetzt übergroß auf die neuen Räume Italiens hinweisen. Zur Eröffnung jubelte Sandro Bondi, Berlusconis Kulturminister: „Es macht heute keinen Sinn mehr, von einer kulturellen Hegemonie von links zu sprechen!“ Nicht nur seien die großen Intellektuellen des 19. Jahrhunderts wie Luigi Pirandello keine Linken gewesen, heute mache der Unterschied keinen Sinn mehr: Es gehe nur noch um ästhetische Freiheit. Die Kuratoren hätten sich – endlich, nachdem jahrelang Italien unterrepräsentiert gewesen sei - der nationalen Identität angenommen – die Kritiker daran wären Vertreter der Vorurteile des alten Italien, das es nicht mehr gebe.

Der Berlusconi-freundliche Corriere della Sera kritisierte gleichzeitig die Fare-Mondi-Ausstellung des „Multikulturalisten“ Daniel Birnbaum als "Dritte-Welt-lastig": Europa sei in dieser Ausstellung an die Peripherie gedrängt, außerdem sei Paul Chans Installation sexuell anstößig und Pascal Marthine Tayous afrikanisches Dorf nichts anderes als das, was man noch vor einigen Jahren in den Bauernhäusern der Lombardei gesehen habe.

So erreicht die italienische Kulturpolitik, unterstützt von nennenswerten Teilen der öffentlichen Meinung, zu dieser Biennale einen erschreckenden Grad von reaktionärer Repressivität – es fehlt nur noch die Vokabel „entartet“ für die „multikulturalistische“ Konkurrenz. Man darf gespannt sein, wie lange die Biennale als international konzipierte, frei kuratierte Ausstellung unter diesen Unständen noch ungehindert stattfinden kann.

Immerhin, noch ist öffentlicher Protest gegen die Berlusconi-Kulturpolitik möglich: Unter dem Titel „Non voltarti adesso – don’t look now“ findet im Museum Ca’ Pesaro eine von der italienischen Kunstszene organisierte Gegenausstellung zur Präsentation des italienischen Pavillons statt.