Mit ihnen beginnt die Auszeit
Gerhard Richters und Alexander Kluges fabelhaftes Duett in Dezember
Schneebedeckte Bäume fotografieren: schwierig. Kitschalarm, Gefahr von Reiseprospektpathos. Gerade im Dezember. Aber nicht, wenn Gerhard Richter antritt. Er zeigt den Wald bei Sils-Maria weder als pittoreske Kulisse noch sonstwie friedlich entrückt – sondern als Dickicht, Gestrüpp, als eisig und undurchdringlich. „Der Dezember ist nicht nur kalt“, sagt Alexander Kluge, „in ihm scheint etwas zu gipfeln. Etwas kommt an. Advent. Heilig oder unheimlich.“ Nicht heimelig jedenfalls.
Kluge und Richter sind Freunde, vielmehr wurden sie es, vor drei Jahren, als sie sich dort, im Engadin, an Silvester in einem Chalet trafen. Beide wenige Tage hintereinander geboren, 1932 im Februar, hatten sie dann 2009 die gemeinsame Idee für ein Buch. Richter trat mit der Kamera an, Kluge schrieb: Kalenderblätter, für jeden Tag des Monats eines. Kluges Notate greifen historisch mal weiter, mal weniger weit aus. Was passierte in Stalingrad im Dezember 1942? Ebenso kommen vor: Wannseekonferenz, der Tsunami, Berlusconis sowie Napoleons ausgeschlagene Zähne – und auch die Tradition griechischer Finanzkrisen wird erhellt.
Es sind Anekdoten, Parabeln, Fakten. Der Winter, die Zeit, die Moral bilden die Themen für diese Auszeit des Jahres, denen Gerhard Richter seine kühl starrenden, seriellen Impressionen entgegenstellt. Geschichtsstunde, Literatur, Kunst, alles gleichermaßen enthält und ist dieses Buch. Ein Pflichtkauf, gerade im Dezember.
- Gerhard Richter (Künstlerdatenbank)
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