54. Venedig-Biennale

54. Venedig-Biennale 2011

Neuer Ärger um den italienischen Pavillon

Der italienische Kulturminister Sandro Bondi hat Vittorio Sgarbi zum Kurator des italienischen Pavillons ernannt.

von Frederike Ebert
02.03.2010
Vittorio Sgarbi, courtesy La Biennale di Venezia, Foto: Giovanni dall’Orto
Vittorio Sgarbi, courtesy La Biennale di Venezia, Foto: Giovanni dall’Orto

Er begründete diese Entschluss mit dessen „tiefen Wissen um das kulturelle Erbe Italiens.“ Und darin liegt auch gleichzeitig das Problem: Der Politiker und Kunstkritiker Sgarbi ist zwar mit dem kulturellen Erbe vertraut – er kann mehrere Veröffentlichungen zur italienischen Renaissance vorweisen –, jedoch für seine ablehnende Haltung gegenüber zeitgenössischer Kunst bekannt.

Dort herrsche eine „Diktatur“, so Sgarbi in einem Interview mit der französischen Tageszeitung „Le Monde“ im Jahr 2002. Im Kunstbetrieb stelle die „Kunstmafia“ stets dieselben Künstler aus. Er selbst hingegen stünde für Pluralismus in der Kunst und kämpfe für Minderheiten.

Wie sich dies in der Gestaltung des Pavillons niederschlagen könnte, hat Sgarbi, welcher der italienischen Öffentlichkeit insbesondere durch provokante Äußerungen bei zahlreichen Fernsehauftritten bekannt ist, bereits gegenüber „The Art Newspaper“ angedeutet: „Ich ziehe einen leeren Pavillon in Betracht, der ausschließlich ein Adressbuch italienischer Künstler enthält. Außerdem könnte ich einen einzelnen Künstler wie Saturnino Gatti miteinbeziehen, ein Meister des 15. Jahrhunderts, der fast aus der Kunstgeschichte ausradiert wurde, und ihn richtig zeitgenössisch machen. Aber in meinem idealen Pavillon würde ich nur eine Arbeit installieren, die ‘Beweinung Christi’ von Mantegna (um 1480), und daneben eine Fotografie von Che Guevara auf seinem Totenbett.“

Gerade auf der 54. Venedig-Biennale kommt dem italienischen Pavillon eine besondere Bedeutung zu: 2011 feiert das Land 150 Jahre Einheit des unabhängigen Nationalstaats Italien. Francesco Bonami, Direktor der 50. Biennale und Kurator der diesjährigen Whitney Biennale, kritisiert den Entschluss Bondis scharf. „Zeitgenössische Kunst ist für Sgarbi, was Amerika für Bin Laden ist.“ Seine Benennung sei „sehr nah an einem Selbstmordanschlag auf die Würde Italiens“, zitiert ihn „The Art Newspaper“.

Schon 2009 sorgte die Ernennung des politisch genehmen Kuratorenteam aus Luca Beatrice und Beatrice Buscaroli für Unmut. Unter dem Titel „COLLAUDI. Omaggio a F. T. Marinetti“ zeigten sie Werke zwanzig unterschiedlicher Künstler, von denen die meisten ausschließlich durch kitschige Monumentalität auffielen. Während Berlusconi-Anhänger sich an der Präsentation politischer Macht erfreuten, sprach Bonami damals von einer „totalen Nabelschau“. Die italienische Kunstszene sah sich gezwungen, im Museum Ca’ Pesaro eine Gegenausstellung zu organisieren.

Im nächsten Jahr wird sich zeigen, ob Italien dazugelernt hat oder ob in Venedig derselbe Fehler ein zweites Mal gemacht wird. Dann wäre Bonami im Recht mit seiner Behauptung, dass Italien unglücklicherweise Sgarbi verdient hat.

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