Kunstticker

Maler Odd Nerdrum zu zwei Jahren Haft verurteilt

Wegen Steuerhinterziehung wurde Odd Nerdrum, einer der bekanntesten norwegischen Künstler, am gestrigen Mittwoch in Oslo zu zwei Jahren Haft verurteilt

18.08.2011

Mit dem Verkauf von Kunstwerken soll Nerdrum zwischen 1998 und 2002 14 Millionen norwegische Kronen (etwa 1,8 Millionen Euro) eingenommen haben, die er in seiner Steuererklärung unterschlagen habe. Die zweijährige Gefängnisstrafe folgt den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Zusätzlich muss der Maler die Gerichtskosten von 10.000 NOK übernehmen.

Nerdrum war bei der Urteilsverkündung nicht anwesend, sondern befand sich nach Angaben des norwegischen Rundfunks mit Studenten im Pariser Louvre. Bereits 2003 hatte der Künstler Norwegen verlassen und lebt seitdem in Island. Den Prozess wegen Steuerhinterziehung betitelte der Maler als „Müll“. Der norwegische Staat wolle ihn damit in den Selbstmord treiben. Nerdrum, der unter dem Tourette-Syndrom leidet, behauptet, er könne nicht rechnen. Die Staatsanwaltschaft hält dagegen, der Künstler habe große Anstrengungen betrieben, um sein Geld zu verstecken. So habe er etwa große Summen in bar in Österreich deponiert. Nerdrums Anwalt will Widerspruch gegen das Urteil einlegen.

In Deutschland ist der Maler vor allem durch einen Essay von Botho Strauß bekannt, der 2002 im „Spiegel“ erschien. Der Schriftsteller betitelte Nerdrum als „Epochenschänder“, der der Moderne „mit einem durchfigurierten geschlossenen Gegenentwurf“ widerspricht. (monopol)