Gerhard-Richter

Neu im Kino

Gerhard Richter bei der Arbeit

Das Filmporträt „Gerhard Richter Painting“ hängt sich an die Fersen des medienscheuen Großkünstlers

von Alexandra Wach
01.09.2011

Von April bis September 2009 hatte Gerhard Richter in seinem Kölner Atelier einen ständigen Begleiter: das Team der Dokumentarfilmerin Corinna Belz. Es war der unangenehmste Teil einer dreijährigen Beobachtung und ein selten gewährtes Tête-à-tête, zumal der Maler seit Jahren ähnliche Anfragen strikt zurückwies und mitten in Vorbereitungen zu Ausstellungen in Köln, London und New York steckte. Bekanntlich gilt der teuerste lebende deutsche Künstler als medienscheu, was er in „Gerhard Richter Painting“ erneut zu Protokoll gibt. Bei der Arbeit beobachtet zu werden sei „das Schlimmste, was es gibt“ und „das Malen sowieso eine heimliche Angelegenheit“.

Das Ergebnis der paradoxen Tortur lässt sich immerhin sehen, dank des zwar wortkargen, aber auskunftswilligen Objekts wider Willen und der grenzenlosen Geduld, mit der die Kamera jeden seiner Schaffensschritte, zwischen denen oft Tage liegen können, registriert. Da wird ausgiebig gelbe, rote und grüne Farbe angerührt, mit breitem Pinsel und Rakel, einem zwei Meter langen Holzbalken, in unzähligen Anläufen auf der Leinwand sinnlich hin und her geschoben, die verwischten Zufallsschichten von den zwei Assistenten begutachtet und vom Meister kritisch fixiert. Richtig „fertig“ scheint ein Bild erst, wenn es das Atelier verlassen hat. Vorher reizt es seinen Erzeuger zur steten Hinterfragung und fast zwanghafter Übermalung.

Der Entstehungsprozess einer Serie großformatiger abstrakter Bilder steht im Mittelpunkt des auf theoretisierende Off-Kommentare verzichtenden Porträts. Aber auch der um Richter buhlende Kunstbetrieb bekommt seinen Auftritt. Das Atelier mutiert dann zum erstklassigen Treffpunkt, wenn die New Yorker Top-Galeristin Marian Goodmann neueste Werke in Augenschein nimmt oder Benjamin Buchloh seine kunsthistorischen Expertisen zum Besten gibt. Älteres Filmmaterial aus den 60ern wechselt sich mitunter etwas unmotiviert mit Aufnahmen von Vernissagen neueren Datums ab. Gespräche mit Kuratoren vom Schlage eines Kasper König bleiben nicht im Verborgenen und selbst eine Plauderei mit der Ehefrau gerät unaufdringlich ins Bild.

Leider wagt sich die Regisseurin mit ihren wenigen Fragen nicht über situationsgeschuldete Belanglosigkeiten hinaus. Aber vielleicht liegt es genau an dieser Zurückhaltung, dass Richter alte Kinderfotos hervorkramt, für Sekunden in Jugenderinnerungen schwelgt und von seiner Flucht aus der DDR erzählt. Ohnehin glänzt er durch lakonisches Understatement und gänzliche Abwesenheit von genialischen Attitüden. Deshalb werden persönliche Momente wie diese zu einer kleinen Sensation.

Gerhard Richter "Painting", ab 8. September im Kino





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