Kunstherbst-Berlin

ABC - Art Berlin Contemporary

„Es wird keine Schinken geben“

Am Mittwoch eröffnet die Art Berlin Contemporary, eine von Galerien veranstaltete Fünftageschau. Sie will in diesem Jahr „about painting“ informieren. Das müssen die Kuratoren aber genauer erklären

von Elke Buhr
05.09.2011

Rita Kersting, Marc Glöde, bei den Großausstellungen der letzten Zeit scheint Malerei an den Rand gedrängt worden zu sein. Warum widmet sich die ABC ausgerechnet diesem Medium?
Rita Kersting: Unter den Künstlern ist Malerei wieder eine völlig akzeptierte Gattung, anders als noch vor 20 Jahren, als die Malerei durch das Interesse am Kontext, an den Bedingungen von Produktion und Rezeption, als wenig fruchtbar empfunden wurde. Und „about painting“ wird ja auch künstlerische Positionen integrieren, die in anderen Medien über Malerei arbeiten.
Mark Glöde: Im vergangenen Jahr legte die ABC den Fokus auf das bewegte Bild und den Einfluss von Film, in den Jahren davor ging es um Arbeiten für den öffentlichen Raum oder skulpturale Positionen. Die Malerei steht in einer Reihe neben den anderen künstlerischen Auseinandersetzungen. Warum sollte man sie aussparen?

Wäre es dann nicht fast schon spektakulär, endlich mal wieder eine Ausstellung zu machen, die wirklich nur Malerei zeigt?
Kersting: Ich finde die aktuelle Malerei sehr interessant. Aber gerade deshalb ist es gut, das Thema zu erweitern und nicht bloß eine Gemäldeschau zu machen und damit so etwas Fetischisierendes wie „Öl auf Leinwand“ oder „Acryl auf Holz“ – das klassische Tafelbild – in den Mittelpunkt zu stellen. Es entspricht viel mehr der aktuellen Produktion, in die Grenzgebiete zu gehen. Heute existieren zahlreiche Beziehungen zwischen Künstlern unterschiedlicher Gattungen, und viele Maler arbeiten auch in anderen Feldern.

Sie zeigen Arbeiten von den 60er-Jahren bis heute. Welchen Künstler fanden Sie besonders exemplarisch?
Kersting: Bei 120 Teilnehmern wird es schwierig, Fixsterne zu entdecken. Doch es gibt ein paar historische Positionen, die vielleicht wie Startpunkte von roten Linien durch das Gewebe der Ausstellung gehen. Georg Karl Pfahler, der seine abstrakte Farbfeld- und Hardedge-Malerei seit den 50er-Jahren auch skulptural in den Raum brachte. Oder André Thomkins, der sehr experimentell gearbeitet hat. Wir zeigen seine „Lackskins“, für die er eine Lackschicht auf Wasser aufbrachte und dann mit Papier abnahm. Daniel Buren ist dabei, der die Streifen als visuelle Markierungen noch in Bildern entwickelt hat, bevor er in den Raum ging. Bei Anna Oppermann kann man schon die Frage nach dem Bild im Bild verfolgen.

Das befindet sich alles in den Beständen der Galerien?
Glöde: Ja. Dabei sind wir froh, dass in diesem Jahr neben den Berlinern so viele weitere nationale und internationale Galerien zur ABC anreisen.

Und wo wird der klassische Bereich der Malerei verlassen?
Glöde: Ceal Floyer etwa – Konzeptkünstlerin, nicht Malerin – markiert die Böden mit einem Gerät, mit dem normalerweise die Linien auf Fußballfelder gemalt werden. Von Rineke Dijkstra wird ein Film gezeigt, in dem ein Mädchen im Museum zu sehen ist, das einen Picasso zeichnet. Und John Armleder liefert einen wunderbar kritischen Kommentar zum Verhältnis von Malerei und Ökonomie, indem er die Frage „Haben Sie noch ein Bild, das über mein rotes Sofa passt?“ aufnimmt: In seiner Installation wird ein Sessel bereits Teil der Arbeit, genauso wie das Bild selbst.

Die Schau findet ja wieder im ehemaligen Postbahnhof am Gleisdreieck statt. Normalerweise werden solche Industriehallen eher für Installationen genutzt. Wie soll die Malerei dort installiert werden?
Kersting: Der Architekt Jan Ulmer hat ein Band entworfen, das sich durch die Hallen zieht. Gelegentlich wird es von Sitzgelegenheiten unterbrochen. Beziehungen zwischen den Werken stellen sich gut her, es kommt zu Konfrontationen und Nachbarschaften. Und die Wände sind vier Meter hoch.

Da haben dann auch echte Schinken Platz.
Kersting: Schinken wird es nicht geben. Nur große Formate.

Das vollständige Interview und ein Spezial zum Berliner Kunstherbst finden Sie in Monopol 9/2011
Abc -Art Berlin Contemporary: 7.-11.- September, Station Berlin, Mehr zur Ausstellung in unserem Online-Dossier zum Kunstherbst