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Zaha Hadid

Heiliges Monster

Eine ARTE-Dokumentation nähert sich der Architektin Zaha Hadid

von Daniel Schreiber
28.08.2009
Zaha Hadid, Bildrechte: WDR / © BRB Filmproduktion KGzur Bilderstrecke
Zaha Hadid, Bildrechte: WDR / © BRB Filmproduktion KG

Sie hat Regalsysteme, Schuhe, Swarovski-Kronleuchter, WMF-Besteck und Alessi-Blumenvasen entworfen, hat Skischanzen, Seilbahnen, Bahnhöfe, Opernhäuser, Gerichtsgebäude, Brücken, Kunstmuseen und ein BMW-Werk gebaut. Zaha Hadid ist die vielseitigste und am meisten verehrte Architektin der Gegenwart.

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  • Zaha Hadid, Bildrechte: WDR / © BRB Filmproduktion KGDie Bergstation der Hungerburgbahn in Innsbruck, 2008, Bildrechte: WDR / © BRB Filmproduktion KGZentralgebäude des BMW-Werks in Leipzig, Bildrechte: WDR / © BRB Filmproduktion KGExpo 2008 in Zaragoza - Fußgängerbrücke, die die Besucher des Expo-Geländes über den Fluss Ebro führt, Bildrechte: WDR / © BRB Filmproduktion KGDas "Mobile Art" Chanel Museum von Zaha Hadid, hier hin Hongkong, Bildrechte: WDR / © BRB Filmproduktion KG

Das Primat des rechten Winkels haben schon viele hinterfragt. Aber niemand hat geschwungene, dahingleitende und die Schwerkraft in die Schranken weisende Digitalformen so überzeugend in tektonische Betonflüsse übersetzt wie Hadid. Zurecht erhielt sie vor fünf Jahren den Pritzker-Preises, die höchste Auszeichnung für Architekten.

Hans Brandenburgs biographischer Dokumentarfilm „Löwin unter Wölfen“, der am Samstag auf ARTE Premiere hat, zeichnet gewissenhaft die Genese der Spitzenmarke Hadid nach. Vor zwanzig Jahren noch galt sie als radikale Theoretikerin – sie hatte Lehrstühle an Universitäten wie Harvard, Yale und Columbia inne – deren Entwürfe unbaubar seien. Ihr Ruf änderte sich schlagartig, als der Möbelhersteller Vitra das Wagnis einging, sie mit dem Bau einer Feuerwache in Weil am Rhein zu beauftragen. Die Feuerwache war der Startschuss für die Hadid-Revolution. Heute stehen ihre spektakulären Gebäude in der ganzen Welt: zwischen Moskau und Dubai, Mailand und Cincinatti, Seoul und Istanbul.

Leider hat „Löwin unter Wölfen“ das Manko, zuwenig über Hadids ungewöhnlichen Lebensweg zu berichten. Sie wurde sie in Bagdad geboren, besuchte eine katholische Klosterschule, eine Schweizer Mädcheninternat, studierte Mathematik in Beirut und zog danach nach London, um Architektur zu studieren und sich als arabische Frau die Spitzenstellung in einer hart umkämpften Männerdomäne zu erarbeiten. Man hätte gern mehr darüber gewusst, wie sie das anstellte.

Brandenburgs Hauptargument scheint zu sein, dass Hadid privat eine Art heiliges Monster sei. Sie verschaffe sich nicht Respekt, sondern auch Feinde, Hadids Büropartner Patrik Schumacher wird zum „Mann für Konfliktlösungen an ihrer Seite“ gemacht. Sätze wie „die einen sagen, sie ist anspruchsvoll, die anderen launisch“ oder „wo auch immer sie erscheint, herrscht eine gewisse Nervösität“ bestimmen den Ton des Films. An einer Stelle mokiert sich der Regisseur sogar darüber, dass es sich die Architektin erlaube, bei der Eröffnung das von ihr entworfenen, mobilen Chanel-Museum in Hongkong Prada zu tragen. Man glaubt sofort, dass Hadid keine einfache Person ist, aber andererseits: Wer ist das schon?

Dass es sich trotzdem lohnt, die Doku anzuschauen, liegt daran, dass Brandenburg nicht nur Hadids engste Mitstreiter, sondern auch sie selbst mehrmals vor die Kamera bekommen hat. Man bekommt Einblicke in ihr dreihundert Angestellte umfassendes Londoner Büro und in das private Wohnzimmer der Architektin, das tatsächlich so aussieht, wie man sich ein Hadid-Wohnzimmer vorstellt: Glatt hinfließende, zweckentfremdete Kurven, wohin das Auge fällt; Möbel, die aussehen wie computersimulierte Skulpturen; Regale, die in einem Schwung zu Betten werden – ein in Plexiglas gehauenes Versprechen des Futur. Hadid mag zwar schon 58 sein, aber die Zukunft hat für sie gerade erst begonnen.

„Löwin unter Wölfen – Die Architektin Zaha Hadid.“ Eine Dokumentation von Horst Brandenburg. Erstausstrahlung auf ARTE am Samstag, den 29. August, um 17:20 Uhr