Eröffnungen am 22. und 23. September
Wohin am Wochenende?
In Paris überrascht Gerhard Richter mit ungewöhnlichen Arbeiten, in Moskau eröffnet die Biennale. Ugo Rondinone verschönert das Münchner Palais an der Oper, während sich Berlin dem deutsch-polnischen Kulturaustausch widmet und eine neue Werkgruppe von John Baldessari präsentiert
Gerhard Richter „Painting 2010-2011“
Polychromer Pinselstrich
oder digitale Ausfallerscheinung? Die neueste Malerei des
„bedeutendsten zeitgenössischen Künstlers“ („Kunstkompass 2011“) Gerhard
Richter – jetzt präsentiert in der Marian Goodman Gallery in Paris –
mag mit ihren bunten Horizontalen an eine Bildstörung erinnern. Zwar
sind nicht alle seiner neuen Arbeiten so akkurat wie „Strip“, aber alle
zeugen wieder von der unvergleichlichen Richter-Methode: große Freiheit
beim Sehen und Denken einerseits und extreme Disziplin in der Ausführung
andererseits. So schafft es der gebürtige Dresdner, der nächstes Jahr
80 wird, immer wieder, die malerischen Updates zur visuellen Gegenwart
zu schaffen.
Marian Goodman Gallery, Paris, 23. September bis 3. November, Vernissage in Anwesenheit des Künstlers: 23. September, 18 Uhr
„Tür an Tür: Polen – Deutschland. 1000 Jahre Kunst und Geschichte“
Mehr als schade, dass politische Ereignisse die kulturellen Gemeinsamkeiten zwischen Polen und Deutschland immer wieder in den Hintergrund verbannt haben. Im Berliner Martin-Gropius-Bau soll das Bild zurechtgerückt werden: „1000 Jahre Kunst und Geschichte“ heißt es im Untertitel einer umfassenden Schau, die 700 historische und zeitgenössische Exponate in 19 Sälen versammelt. Werke von Günther Uecker, Jochen Gerz, Luc Tuymans, Mirosław Bałka, Krzysztof Wodiczko, Krzysztof Bednarski oder Edward Dwurnik sollen moderne Perspektiven auf eine große Vergangenheit eröffnen.
Martin-Gropius-Bau, Berlin, 23. September bis 9. Januar 2012
4. Moskau Biennale: „Rewriting Worlds“
Biennalen sind auch immer eine Manifestation der Notwendigkeit von Kunst. Es gibt allerdings Orte, an denen daran überhaupt nicht gezweifelt wird: Moskau sendet heftige Impulse zur Förderung von Gegenwartskunst und sei es nur, weil sie so ein glänzendes gesellschaftliches Schmiermittel ist. Jetzt eröffnet die 4. Moskau Biennale mit dem Titel „Rewriting Worlds“. „Meine Idee ist, dass wir den Künstlern folgen sollten“, sagt Kurator Peter Weibel. Ins Zentrum seiner Überlegungen will er – seinem Ruf als Neue-Medien-Ikone folgend – den Einsatz von medialer Technik in der Kunst stellen. Doch Freunde der Malerei sollen sich nicht ausgeschlossen fühlen: Neo Rauch ist auch dabei. Außerdem trumpft Moskau mit großen Namen wie dem kürzlich verstorbenen Richard Hamilton und Ai Weiwei auf. Insgesamt sind über 80 Künstler aus 33 verschiedenen Ländern vertreten.
4. Moskau Biennale, bis 30. Oktober
John Baldessari „Double Feature"
Pionier der
Konzeptkunst und Impulsgeber der Appropriation-Art, Lehrer und Idol von
Barbara Bloom, Jack Goldstein, David Salle, Troy Brauntuch – stimmt schon. Doch die Kunst des Kalifornieres John
Baldessari ist vor allem immer eins: Das beste Mittel gegen Langeweile.
Deswegen könnte der 80-Jährige auch nie ans Aufhören denken und schafft
munter weiter ein Kunstwerk nach dem anderen. Die Galerie Sprüth Magers
präsentiert in Berlin seine neueste Serie „Double Feature". Baldessaris
Bild-Text-Montagen greifen Motive der klassischen Moderne auf, von
Künstlern wie Henri Matisse oder Max Ernst. So ausgewählte Elemente
druckt der Kalifornier auf Leinwände, fügt teilweise eine eigene
Übermalung hinzu und komplettiert das Ensemble mit Filmtiteln: „Dark
City", „Deadline at Dawn" und „Mystery Street" deuten auf Baldessaris
Leidenschaft für den amerikanischen Film Noir der 40er und 50er-Jahre -
eine Konstante in seinem mehr als vier Jahrzehnte umspannenden Schaffen. Parallel eröffnet auch eine Ausstellung des Malers Thomas Scheibitz.
Galerie Sprüth Magers, Berlin, 23. September bis 29. Oktober, Vernissage: 22. September, 18 Uhr
Ugo Rondinone „We are poems“
Wer sich vor ein paar Jahren zum ersten Mal dem spektakulären Neubau des New Museum in Manhattan näherte, der musste nicht lange nachdenken, in welchen Ausruf er sein Erstaunen packen sollte: „Hell, Yes!“ – „Verdammt, ja!“ stand in bunten Flower-Power-Buchstaben auf der Fassade des Museums. Der Schweizer Ugo Rondinone hat diese und ähnliche Songtexte oder Gedichte zitierenden Neonarbeiten an öffentlichen Gebäuden auf der ganzen Welt angebracht. Jetzt ist auch in München ein Regenbogen aufgegangen, an der Fassade des sich im Umbau befindlichen Palais an der Oper. „We Are Poems“ lautet hier die frohe Botschaft: ein Vorschein auf den neuen L'Espace Culturel von Louis Vuitton, der im Palais 2012 eröffnet wird - das elfte Ausstellungshaus des Modeunternehmens weltweit. Das Kunstwerk ist voraussichtlich bis März zu sehen.
Palais an der Oper, München, offizielle Präsentation: 22. September, 19 Uhr, voraussichtlich bis März 2012
Weiter Eröffnungen finden Sie in unserem Vernissagenkalender
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