Interpol

Ai Weiwei

Fans protestieren mit Nacktfotos

Nackter Protest: Rund hundert chinesische Unterstützer des Künstlers Ai Weiwei haben sich ausgezogen, um gegen das Vorgehen der chinesischen Behörden zu demonstrieren.

21.11.2011

Sie stellten Nacktfotos von sich ins Internet. Auf einigen der Selbstporträts bedecken die Männer und Frauen ihre intimsten Körperteile mit Fotos von Ai Weiwei, auf anderen bleibt nichts verborgen. Die Bilder sind eine ironische Reaktion auf die jüngste Schikane der chinesischen Regierung gegen den 54-jährigen Künstler. Die Polizei hatte einem Mitarbeiter Ai Weiweis wegen eines harmlosen Aktfotos das Verbreiten von Pornografie vorgeworfen.

Dabei ging es um ein älteres Foto, auf dem ein nackter Ai Weiwei mit mehreren kichernden Schönheiten zu sehen ist. «Wenn sie Nacktheit als Pornografie sehen, dann lebt China noch in der Qing-Dynastie», hatte Ai dies letzte Woche kommentiert.

«Ich liebe meinen Körper und meine Freiheit heiß und innig», schrieb nun die Bloggerin mit dem Pseudonym «Suyutong» im Internet. Auf ihrem Foto trägt sie einen schwarzen Hut, aber sonst nicht viel. Andere Ai-Weiwei-Fans haben Baby-Badefotos im Nachrichtendienst Twitter verbreitet, wieder andere zeigen sich in der Pose des berühmten «Denkers» von Rodin. Es gibt aber auch frontale Nacktaufnahmen, auf denen die Botschaft an die Regierung noch durch einen erhobenen Mittelfinger verstärkt wird. Ein Bild zeigt einfach nur ein entblößtes Hinterteil in Großaufnahme.

Ai Weiwei war im Frühjahr dieses Jahres festgenommen und 81 Tage lang an einem unbekannten Ort verhört worden. Nach seiner Freilassung hatten ihm die Behörden Steuervergehen vorgeworfen und die Zahlung von 15 Millionen Yuan (rund 1,7 Millionen Euro) verlangt. Unterstützer des Künstlers hatten daraufhin rund eine Million Euro gespendet, die Ai Weiwei inzwischen als Anzahlung beim Finanzamt abgeliefert hat. Er will Einspruch gegen den Behördenentscheid einlegen. (dpa)

KÜNSTLER IM ARTIKEL
ANZEIGE
AKTUELLES HEFT
Aktuelles Heft

Richard Prince  Der Meister der Appropriation-Art übernimmt Monopol - und schöpft aus dem Bilderpool seines Smartphones Bilder über Obsessionen und Stil. Dazu: 13 dreckige Antworten über Kunst und Leben, sowie ein Essay von Yilmaz Dziewior

Was war 2014, wie wird 2015? Die besten Werke und Museen, die großartigsten Momente und tiefsten Abstürze des vorigen Jahres - und ein Horoskop fürs nächste

Gregor Schneider Goebbels' Geburtshaus steht in Rheydt. Der Künstler kaufte es, schlief darin, entkernte es und karrte den Schutt durch halb Europa. Eine Chronologie der Ereignisse

Monopol 01/2015
AM KIOSK
AUF DEM iPAD
IM SHOP
ALS ePaper
ANZEIGE