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Termine rund um den ersten Advent

Wohin am Wochenende?

Tipps aus der Monopol-Redaktion: Michel Majerus in Stuttgart, Alex Katz in Hannover, Ann Veronica Janssens in Münster, Aldi-Kunst in Ludwigshafen, Newcomer in London, Beuys in München, Ulrike Ottinger, Philippe Parreno und ein Künstlerbuch-Festival in Berlin, Pariser in Paris

24.11.2011

Michel Majerus
„Pop for ever“ – so lautete die Forderung des Luxemburger Künstlers Michel Majerus, der 2002 im Alter von nur 35 Jahren verunglückte. Die Gemälde des Wahl-Berliners versammeln Collagen eines bewegten Alltags der 90er Jahre – es sind wilde Bilderfluten, inspiriert von Videospielen, Techno oder Werbung. Auch seine Installationen, wie die 2001 entwickelte, bemalte und benutzbare Skaterrampe, lehnen sich gegen den Stillstand auf. Anlässlich seines zehnten Todestages kehren nun über 100 Kunstwerke von Majerus für eine umfassende Werkschau an seinen Studienort Stuttgart zurück. Die Dezember-Ausgabe von Monopol widmet dem Maler ein großes Porträt.
Kunstmuseum Stuttgart, 26. Nov. bis 9. April, Eröffnung am 25. Nov. um 19 Uhr

Ann Veronica Janssens
Mit farbigen Licht- und Raumkonzepten lädt die britische, in Belgien lebende Künstlerin Ann Veronica Janssens auf eine Forschungsreise in die Philosophie ein. Sie experimentiert mit Konzepten der Zeit, der Materialität und des Seins, indem sie die Kategorien in Frage stellt oder gar neu erfindet. Ihre Kunst täuscht und blendet: Lichtkegel werden zum kurzlebigen Objekt, das sich schnell in Nichts auflöst. Janssens minimalistische Projektionen, Fotografien und Skulpturen passen sich stets an die Raumbedingungen an; sie lotsen den Betrachter in ein Wunderland, in dem konventionelle Wahrnehmungen kopfstehen.
Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst, Münster, 26. Nov. bis 12. Feb., Eröffnung am 25.Nov. um 19.30 Uhr

Alex Katz: „Naked Beauty“
Das Geheimnis seiner Malerei? Alex Katz hält das Spezifische von Situationen und Personen fest, gleichzeitig schafft er einen Idealtypus des Dargestellten. Die Hannoveraner Kestnergesellschaft bringt jetzt Aktmalereien und Stadtansichten New Yorks zusammen, extrem unterschiedliche Sujets, die doch stets den unverkennbaren „Katz touch“ aufweisen. Die Akte hat der 1927 in Brooklyn geborene Künstler zwischen den 80er-Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart geschaffen. Sie werden erstmals in dieser Vielzahl präsentiert.
Kestnergesellschaft, Hannover, 25.Nov. bis 5. Feb., Eröffnung am 24.Nov. um 19 Uhr

„I love ALDI“
Der Teufel mag Prada tragen, so viel er will – der Mensch liebt vor allem Discount. Seltsam, dass das Glücksversprechen von hoher Qualität zu niedrigem Preis bisher kein Thema fürs Kunstmuseum war. Immerhin spürt jetzt das Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum dem Urmodell des „Wir können nur billig“ nach. 35 Künstlerpositionen beleuchten in der Ausstellung „I love ALDI“ Aspekte der industriellen Lebensmittelproduktion, der Billigware und des postmodernen Konsumverhaltens. Im Sonderangebot: Joseph Beuys, Felix Droese, Christian Jankowski und Thomas Rentmeister. Und natürlich Günter Fruhtrunk, dessen berühmt-geschmähte Aldi-Tüte im Juli 2009 schon Monopol-Titelbild war.
Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen, 26. Nov. bis 4. März 2012, Eröffnung am 25. Nov. um 19 Uhr

Bloomberg New Contemporaries: In the Presence
Die neuen Zeitgenossen sind da: Diese Woche eröffnete die alljährliche „New Contemporaries"-Ausstellung am Londonder Institute of Contemporary Art (ICA). Eine dreiköpfige Jury - dieses Mal mit Pablo Bronstein, Sarah Jones und Michael Raedecker - hat 40 Künstler ausgewählt, die kürzlich ihr Studium an einer englischen Kunstakademie absolviert haben. Darunter sind auch fünf deutsche Künstlerinnen, etwa Cornelia Baltes oder Lisa Wilkens. Der Däne Rasmus Nilausen oder die Britin Anna Ilsley sind mit ihrer Malerei Ausnahmen - überwiegen werden fotografische Arbeiten präsentiert, zum Beispiel die Stillleben der Polin Alicja Dobrucka oder die humorvollen Kompositionen der Britin Georgina McNamara.
Institute of Contemporary Art, London, bis 15. Jan.

Künstlerbuch-Festival in Berlin
Künstlerbücher existieren in ihrem eigenen Genre – das hat schon Beuys gewusst. In den Berliner KunstWerken (KW) findet jetzt zum dritten Mal das Festival MISS READ statt, das 80 internationale Verleger und Künstler vorstellt, die sich auf die Herstellung von Künstlerbüchern spezialisiert haben. Das Event wird durch eine Reihe von Vorlesungen, Gesprächen und Performances begleitet, wie zum Beispiel dem Poetry-Talk mit dem Künstler Jason Dodge und Kurator Dieter Roelstraete. Sinn der Veranstaltung ist nicht nur die Verbreitung des Nischen-Genres, sondern auch die Förderung von Begegnungen mit Verlegern und Künstlern, die bei dem Festival anwesend sein werden.
MISS READ im KW Institute for Contemporary Art, Berlin, 25. bis 27. Nov., Eröffnungsparty im Café Bravo am 25. Nov. von 21 bis 24 Uhr

Filmpremiere von Philippe Parreno in Berlin
Der in Algerien geborene Künstler Philippe Parreno hat einen neuen Film gedreht: „Continuously Habitable Zones“ heißt der. Worum es geht, kann niemand so genau sagen. Parreno und sein Team schweigen. Selbst die Galerie tappt noch im Dunkeln. Immerhin verspricht der Künstler „Streckungen und Faltungen der Landschaft“ und, dass „das Land zum Film“ wird. Was das genau bedeutet, wird der 14-minütige Film an diesem Sonntag zeigen oder – Hans-Ulrich Obrist im Gespräch mit dem Künstler im Anschluss an seine Premiere klären.
CineStar Potsdamer Platz, Berlin, 27. Nov., 17 Uhr Premiere des Filmes, Eintritt frei

Ulrike Ottinger in Berlin
Die Berliner Filmemacherin und Künstlerin Ulrike Ottinger wird mit dem Hannah-Höch-Preis 2011 geehrt. Die 69-Jährige erhält die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihr vielschichtiges Lebenswerk, wie die Senatsverwaltung für kulturelle Angelegenheiten am Dienstag mitteilte. Der Preis wird am 25. November im Neuen Berliner Kunstverein vergeben. In einer anschließenden Ausstellung wird dort das unbekannte und bisher nicht gezeigte malerische Frühwerk Ottingers gezeigt. Der Preis wird seit 1996 alljährlich vom Land Berlin an Künstler verliehen, die ihren Lebensmittelpunkt in der Hauptstadt haben. Den dieses Jahr erstmals ausgelobten Hannah-Höch-Förderpreis erhält die in Helsinki geborene Videokünstlerin Laura Horelli. (dpa)
Neuer Berliner Kunstverein, bis zum 22. Jan.

Joseph Beuys in München
Mit mehr als 120 Objekten startet an diesem Freitag eine Joseph-Beuys-Ausstellung in München. Die Galerie Thomas Modern zeigt einen Querschnitt durch das Werk des Künstlers und Aktivisten (1921-1986) und bietet die Ausstellungsstücke auch zum Kauf an - für 400 Euro aufwärts. Unter den Exponaten sind Werke, die es in mehreren Ausfertigungen gibt, aber auch Unikate - die dann deutlich teurer sind. «Vor zwei Jahren haben wir die Galerie mit Beuys eröffnet», berichtete Galeriechefin Silke Thomas am Donnerstag. «Jetzt schließen wir den Kreis.» Ihr sei vor allem wichtig, einen einfachen und leichten Zugang zu der Ikone des 20. Jahrhunderts zu ermöglichen und seinen erweiterten Kunstbegriff zu zeigen. (dpa)
Galerie Thomas Modern, München, 25. Nov. bis 25. Febr., Eröffnung am 24. Nov. um 19 Uhr

Pariser in Paris
Bunte Latexhäute statt rote Schleifen: «Schutz ist Leben» heißt die Kondom-Installation des Künstlers Bryan McCormack im Pariser Centre Pompidou. Aus rund 80 000 Plastikpräservativen hat der Ire auf den verschiedenen Aufzugsplattformen des Kulturzentrums Halbtunnel in den Regenbogenfarben Rot, Gelb, Blau und Grün geschaffen. Die Präservativ-Skulptur ist anlässlich des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember entstanden und für die breite Öffentlichkeit seit diesem Mittwoch zu entdecken. Der 1972 geborene Künstler will das Kondom aus seinem Kontext - Sexualität, Religion, Erotik und Infektion - lösen und zeigen, dass die Latexhaut ein ganz gewöhnliches Objekt sein kann. (dpa)
Centre Pompidou, Paris, bis 5. Dez.

Weitere Termine finden Sie in unserem Vernissage-Kalender

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