Interpol

Sex und Geld für einen Gerhard Richter

Ein unmoralisches Angebot

Jerry Saltz, stets gern gelesener Chefkritiker des New York Magazines, bietet Sex oder Dollars für eine (gelungene) Gerhard-Richter-Fälschung

29.11.2011

Der Kunstkritiker und Monopol-Autor Jerry Saltz ist ein verheirateter Mann und großer Fan von Gerhard Richter. Über den Zustand seiner Ehe mit Roberta Smith, der Kunstredakteurin der New York Times, wissen wir nichts – seine Liebe zu dem deutschen Maler jedoch hat Saltz in dieser Woche eindrücklich unter Beweis gestellt. Über seine Facebook-Seite verbreitete der 60-Jährige folgendes Angebot: Jeder Künstler, der ihm einen täuschend echten Gerhard Richter malt, erhält von ihm 1000 Dollar oder – Sex.

Nachdem in wenigen Stunden hunderte Kommentare eingegangen waren, präzisierte Saltz sein Angebot: Nach Fertigstellung soll ein Kurator eines großen New Yorker Museums das Bild beurteilen. Sollte er oder sie die Arbeit nicht von einem echten Richter unterscheiden können, zahlt Saltz dem Kopisten die vereinbarte Summe oder, ähem, wird ihn oral befriedigen.

Spinnerei? Subversive Provokation? Geschmacklos? Im Internet wird das unmoralische Angebot heiß diskutiert, schließlich gilt Saltz als einer der einflussreichsten Kritiker der Gegenwart. Will er unserer verkommenen Gegenwart den Spiegel vorhalten? Den wahren Wert der Kunst hinterfragen? Geht es um Original und Fälschung, Fetische und Tabus, Ausbeutung und Moral? Möglich. Doch solche Fragen hat die Künstlerin Andrea Fraser bereits 2003 ungemein pointierter aufgeworfen mit der Offerte, für 20.000 Dollar eine Nacht mit einem Sammler zu verbringen.

„Mein Angebot kam aus dem Wunsch heraus, etwas anzuschauen, das aussieht wie etwas, das ich liebe. Genuss ist in meinen Augen eine wichtige Erkenntnisform“, schreibt Saltz auf Facebook. Okay. Aber mal abgesehen davon, dass Saltz dann doch offenbar wenig von Gerhard Richter (kann ja jeder!) und den New Yorker Museumskuratoren (können ja gar nichts!) hält, ist das mit dem Genuss natürlich so eine Sache. Was meint denn Roberta Smith dazu?

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