Vorschau auf das Ausstellungsjahr
Wohin 2012?
In Kassel ist nach fünf Jahren wieder Documenta-Zeit, in der Hauptstadt findet die 7. Berlin-Biennale statt, in Belgien die Manifesta. London fährt anlässlich der Olympischen Spiele ein beeindruckendes Ausstellungsprogramm auf, Cindy Sherman hat ihren großen Auftritt in New York und alle feiern Gerhard Richter
Nach fünf Jahren wird Kassel 2012 wieder zum Zentrum der zeitgenössischen Kunst. Die Documenta 13, die am 9. Juni eröffnet wird, hat aber eigentlich schon begonnen. Denn zu der weltgrößten Ausstellung zeitgenössischer Kunst zählt die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev auch die Internetseite, erste Kunstwerke, die bereits im Vorfeld gezeigt wurden, oder die Bände der Reihe «100 Notizen - 100 Gedanken». 100 Künstler sind eingeladen, die Namen wie immer ein Geheimnis. Einige sind aber bereits bekannt: der Südafrikaner William Kentridge etwa, der Iraner Rene Gabri oder die polnische Künstlerin Goshka Macuga. Die Documenta läuft genau 100 Tage bis zum 16. September.
Parallel zur Weltkunstschau Documenta plant Hannover die Ausstellung «Made in Germany zwei» (17. Mai - 19. August). Sie umfasst Werke von 40 einheimischen und ausländischen Künstlern, die in Deutschland arbeiten. Neben dem Sprengel Museum sind der Kunstverein Hannover und die Kestnergesellschaft an der Schau beteiligt.
Deutschland feiert den 80. Geburtstag von Gerhard Richter (9. Februar). Wenige Tage danach zeigt die Neue Nationalgalerie in Berlin eine große Retrospektive seines Werks (12. Februar bis 13. Mai). Zu sehen sind rund 150 Gemälde aus allen Schaffensperioden, darunter Ikonen wie das Bild der eine Treppe herabsteigenden «Ema» (1966) oder auch selten zu sehende Werke wie «Neger (Nuba)» (1964). Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem Centre Pompidou in Paris und der Tate Modern in London erarbeitet. In der britischen Hauptstadt war sie zuvor zu sehen. Richters Geburtsstadt Dresden würdigt den Künstler vom 4. Februar bis zum 22. April mit einer Ausstellung im Lipsiusbau.
Im Münchener Haus der Kunst sind nach zehn Jahren die Werke Thomas Ruffs vom 17. Februar bis 20. Mai erstmalig wieder in einer umfassenden Ausstellung zu sehen. In chronologischer Reihenfolge wird seine künstlerische Entwicklung nachgezeichnet.
Berlin wird ab 9. Februar um einen Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst reicher: die ehemaligen Räumen der jüdischen Mädchenschule in der Auguststraße. Unter anderem wird hier die nicht weit entfernte Galerie Eigen+Art das Eigen+Art Lab als neue Ausstellungsraum eröffnen.
Die 7. Berlin-Biennale präsentiert vom 28. April bis 1. Juli internationale zeitgenössische Kunst. Der zum Kurator berufene polnische Videokünstler Artur Zmijewski hatte in einem offenen Aufruf an Künstlerinnen und Künstler appelliert, ihre politische Haltung darzulegen. Zusätzlich ernannte er die Gruppe Voina und Joanna Warsza offiziell zu assoziierten Kuratoren. Erste eingeladene Künstlerinnen sind bereits bekannt: die israelisch-niederländische Multimedia-Expertin Yael Bartana und die Weißrussin Marina Naprushkina.
Der Maler Neo Rauch beschäftigt die Hamburger Kunsthalle: Sie will sein Werk «erstmals in einen historischen und kunsthistorischen Zusammenhang» stellen. Der in der DDR aufgewachsene Rauch steht für eine Wiederkehr des Figurativen. Die Ausstellung vom 17. Februar bis zum 13. Mai will zeigen, wie Rauch von früheren Malern beeinflusst wird und sich gleichzeitig von ihnen absetzt und etwas Neues schafft.
Jeff Koons ist im Juni gleich mit zwei Ausstellungen in Frankfurt zu sehen. Die Liebieghaus Skulpturensammlung zeigt ihn vom 21. Juni bis 30. September. Die Ausstellung der Schirn Kunsthalle eröffnet am selben Tag und läuft bis zum 23. September.
Anselm Kiefer wird vom 10. Juni bis zum 16. September in der Bundeskunsthalle in Bonn präsentiert: Die etwa 30 Werke stammen aus Privatbesitz und sind deshalb selten zu sehen. Die Bundeskunsthalle widmet sich unter anderem auch dem Trickfilmstudio Pixar («Findet Nemo») und dem British Museum: Etwa 200 Exponate sollen die enorme Spannbreite dieses ersten Nationalmuseums der Welt abbilden.
Genk, in der Provinz Limburg in Belgien ist Gastgeber der neunten Manifesta (2. Juni - 30. September), die in diesem Jahr von dem Mexikaner Cuauthémoc Medina kuratiert wird. Die ausgewählte Region soll unter anderem neue Möglichkeiten für den Umgang mit kulturellem Erbe und der Suche nach einer europäischen Einheit bieten.
London verspricht als Kontrastprogramm zu den Olympischen Spielen ohne jedes englische Understatement «die beste Kunst und Kultur der Welt». Das heißt konkret: Lucian Freud in der National Portrait Gallery (9. Februar – 27. Mai), David Hockney, der in diesem Jahr von der Queen zum Mitglied des Order of Merit ernannt wird, in der Royal Academy (21. Januar bis 9. April), Yoko Ono in der Serpentine Gallery (19. Juni - 9. September), Damien Hirst und sein Diamantenschädel in der Tate Modern (5. April - 9. September), und der in Berlin lebende Künstler Tino Sehgal wird dort die Turbinenhalle bespielen (17. Juli - 28. Oktober). Die Tate Modern erweitert zudem ihre Ausstellungsfläche und macht zwei der drei hinter der Turbine Hall liegenden „Oil Tanks“ für das Publikum zugänglich. Das von Herzog & de Meuron umgesetzte Projekt soll vor allem Platz für raumgreifenden Installationen, Performances und Events schaffen. Die von britischen Künstlern Poster für Olympia sehen schon mal sehr schön aus.
In New York zeigt das MoMA vom 26. Februar bis 11. Juni 2012 eine Retrospektive zu Cindy Sherman. 180 Werke bebildern ihre Schaffensphase von den 70er-Jahren bis heute. Vom 1. März bis 27. Mai eröffnet ebenfalls in New York die Whitney Biennale ihre Tore. Die beiden Kuratoren Elisabeth Sussman und Jay Sanders haben die Auswahl der teilnehmenden Künstler bereits bekannt gegeben: Mit dabei ist etwa auch der deutsche Regisseur Werner Herzog. Eine weitere Ausstellung in der Stadt beschäftigt sich mit dem Schaffen und bis heute enormen künstlerischen Einfluss Andy Warhols: “Regarding Warhol: Fifty Artists, Fifty Years” wird von September 2012 bis Januar 2013 im Metropolitan Museum zu sehen sein. Mit Spannung erwartet wird zudem die erste New Yorker Ausgabe der in Londoner Kunstmesse Frieze (4.-7. Mai).
Das Museum of Modern Art Louisiana in der Nähe von Kopenhagen startet mit einer Ausstellung über den deutschen Künstler Andreas Gursky (13. Januar – 13 Mai) ins neue Jahr.
(monopol/dpa)
Eine Vorschau von Künstlern und Kuratoren auf das Kunstjahr finden Sie in der Monopol-Ausgabe 01/2012
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