Berlin Biennale 2012

Kunstaktion zur Berlin Biennale

Künstler will tausende Exemplare von Sarrazin-Bestseller recylclen

Der tschechische Künstler Martin Zet will im Rahmen der kommenden Berlin Biennale mindestens 60.000 Exemplare des umstrittenen Sachbuchs "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin sammeln - um sie zu recyclen. Einige Institutionen distanzieren sich inzwischen von der Aktion

12.01.2012

Das Ergebnis der Kunstaktion „Deutschland schafft es ab“ wird als Installation auf der 7. Ausgabe Berlin Biennale zu sehen sein. Die Bücher werden anschließend recyclet. Der Künstler erklärte am Donnerstag in einer Pressemitteilung: „Ab einem bestimmten Moment ist es nicht mehr wichtig, was die Qualität oder wahre Intention eines Buches ist, sondern welchen Effekt es in der deutschen Gesellschaft hat. Das Buch weckte und förderte anti-migrantische und hauptsächlich anti-türkische Tendenzen in diesem Land. Ich schlage vor, das Buch als aktives Werkzeug zu benutzen, welches den Menschen ermöglicht, ihre eigene Position zu bekunden.”

Thilo Sarrazin (SPD) geriet 2010 mit seinem Buch in die Kritik. Ihm wurde die Äußerung fremdenfeindlicher und diskriminierender Thesen vorgeworfen. In Folge der heftigen Diskussionen um sein Buch wurde der ehemalige Berliner Finanzsenator aus dem Vorstand der Deutsche Bundesbank entlassen. Mit bis heute 1,3 Millionen verkauften Exemplaren ist Sarrazin, wie die Berlin Biennale mitteilt, der erfolgreichste deutsche Sachbuchautor seit 1945.

Die Veranstalter der Berlin Biennale bitten darum, Exemplare des Buches in einer der teilnehmenden Sammelstellen abzugeben, per Post in die Kunst-Werke Berlin zu schicken oder eigene Sammelstellen einzurichten. Eine aktuelle Liste der Adressen ist auf der Website der Berlin Biennale zu finden.

"In Form und Umsetzung nicht akzeptabel"
Inzwischen gibt es erste Einwände gegen die Aktion. So teilt das unter anderem vom Auswärtigen Amt geförderte Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) mit, dass es entgegen anderslautenden Ankündigungen nicht an "Deutschland schafft es ab" teilnehmen werde: Die ifa-Galerie Berlin werde keine Sammelstelle für die Bücher sein. In der Mitteilung heißt es: "Die Aktion von Martin Zet ist für das Institut für Auslandsbeziehungen vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte in seiner Form und Umsetzung nicht akzeptabel."

Auch der Intendant im Berliner Haus der Kulturen der Welt, Bernd M. Scherer, nimmt in einer Pressemitteilung vom Freitag zu der Aktion Stellung: "Als wir der Buchsammelaktion Martin Zets zustimmten, ging es uns um die Möglichkeit, individuelle Zeichen gegen fremdenfeindliches Gedankengut zu setzen. Nun zeigt sich aber in der öffentlichen Debatte, dass diese Aktion mit den nationalsozialistischen Bücherverbrennungen in Zusammenhang gebracht wird. Es zeichnet sich eine Polarisierung ab. Der Rassismus, der in Deutschland fortbesteht und den wir in Thilo Sarrazins Buch feststellen, wird vom Haus der Kulturen der Welt durch engagierte Auseinandersetzung verhandelt und bekämpft, nicht aber durch diese Form der Polarisierung. Wir gehen deshalb davon aus, dass auch dem Künstler an einer konzeptionellen Klärung gelegen ist.“

Die Berlin Biennale wies am Freitag in einer weiteren Pressemitteilung darauf hin, dass das Projekt von Martin Zet keine Büchervernichtung zum Ziel habe, "sondern der Künstler verbindet mit der Spende und der Transformation der Bücher einen Akt des Widerstandes gegen den anti-migrantischen und polarisierenden Inhalt des Buches mit künstlerischen Mitteln."

Die Berlin Biennale wird durch den Verein Kunst-Werke Berlin/KW Institute for Contemporary Art organisiert und von der Kulturstiftung des Bundes gefördert. Das Festival findet alle zwei Jahre statt., 2012 vom 27. April bis zum 1. Juli. (monopol, aktualisiert am 13.1.2012)

Mehr zur kommenden Berlin Biennale finden Sie in unserem Dossier