"Triple Canopy" in einer Anthologie
Zurück in die Buchhandlungen
Verkehrte Welt: Das Onlinemagazin "Triple Canopy" erscheint nach 15 Folgen jetzt auch in Buchform
Es ist zur Blaupause für Publikationen im Internet geworden: „Triple Canopy“, das Onlinemagazin, das Alexander Provan seit 2008 viermal im Jahr herausgibt. Jede Folge bearbeitet ein Themengebiet („urbanism – master plans“ und „war, money, magic“ zum Beispiel) mit Fotoreportagen, digitalen Kunstprojekten und Essays.
Auf den ersten Blick entspricht vieles den Printmedien-Standards: Jede Ausgabe ist nummeriert, hat einen Titel und ein Inhaltsverzeichnis. Aber sobald sich der Nutzer in einen Beitrag klickt, navigiert er durch mehrdimensionale Welten. Für die achte Edition „hue and cry“ etwa konzipierten drei Künstler eine Fotografie, die als Landkarte dient, auf der verschiedene Punkte markiert sind. Die müssen angesteuert werden, um zu Bildern, Texten oder Filmen zu gelangen, die von mysteriösen Selbstmordfällen in japanischen Wäldern berichten.
Nach 15 Folgen erscheint „Triple Canopy“ jetzt zum ersten Mal gedruckt. „Es gibt zwei einfache Gründe dafür“, sagt Provan gegenüber Monopol. „Wir wollen die Leser erreichen, die sich nicht nur im Netz, sondern auch in Bibliotheken aufhalten. Und wir möchten das Magazin archivieren. Online ist das oft ein Problem: Browsersoftware verändert sich und kann Formate nicht mehr richtig darstellen, YouTube-Videos, die Teil einer Arbeit waren, werden gelöscht, Kodierungen veralten.“
Grübeln nicht für gewöhnlich ältere Herren im Verlagshaus darüber, wie sie die gute alte Zeitung, den guten alten Druck, ja den guten alten Text ins digitale Zeitalter überführen können? Nun diskutierten junge Autoren, Künstler und Grafiker im Internet darüber, wie sie eine Webveröffentlichung zurück in die Buchhandlung bringen sollten.
Und, wie ging das? Der Name der Anthologie räumt ein: eigentlich gar nicht. „Invalid Format“, ungültig – der Band, der mithilfe von Druckvorlagen erstellt wurde. Der die ersten vier Ausgaben schwarz auf weiß dokumentiert. Und der den E-Mail-Verkehr der ersten Stunde präsentiert, in der noch niemand wusste, dass „Triple Canopy“ von den älteren Herren gelobt, den Verlags- und Kunsthäusern gesponsert und zahlreichen Usern angeklickt würde.
Schlicht, bescheiden und ein bisschen langweilig sieht das aus – fast so wie die ersten Internetseiten der guten alten Zeitung auch.
Triple Canopy (Hrsg.): „Invalid Format: An Anthology of Triple Canopy, Volume 1“. Auf Englisch. Triple Canopy, 336 Seiten, 22 Euro
Dieser Artikel erschien in Ausgabe 02/2012. Sie können das Heft hier bestellen.
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