Gerhard-Richter

Gerhard Richter: Die vielen Menschen sind mir unangenehm

Der berühmte Maler Gerhard Richter sieht der großen Retrospektive in Berlin zu seinem 80. Geburtstag skeptisch entgegen.

05.02.2012
Gerhard Richter am Freitag bei einer Pressekonferenz anlässlich der Ausstellung "Gerhard Richter Atlas" im Lipsiusbau in Dresden (Foto: dpa)
Gerhard Richter am Freitag bei einer Pressekonferenz anlässlich der Ausstellung "Gerhard Richter Atlas" im Lipsiusbau in Dresden (Foto: dpa)

«Was mir bei diesen Anlässen immer sehr unangenehm ist, sind die vielen Menschen, die sagen werden, wie toll die Ausstellung ist», sagte Richter der «Welt am Sonntag». «Das sagen sie immer, es sei ganz toll. Und das bedeutet ja nichts.»

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Drei Tage nach Richters 80. Geburtstag (9. Februar) öffnet am 12. Februar in der Neuen Nationalgalerie in Berlin das «Gerhard Richter Panorama» mit rund 150 Gemälden aus allen Schaffensperioden. Richter selbst will sich die Ausstellung schon an seinem Geburtstag mit seiner Familie ansehen. Öffentlichem Applaus kann er nichts abgewinnen. «Es reicht mir schon, wenn man mich anständig begrüßt. Das andere versuche ich gar nicht wahrzunehmen.»

Mit Sammlern, die Millionenbeträge für seine Bilder zahlen, will der Künstler nichts zu tun haben. «Zu denen in die Wohnung zu gehen und zu sehen, wo die Bilder hängen, das wäre mir ein absolutes Grauen.» Er empfängt sie auch nicht zu Hause. «Keine Sammler. Ein guter Sammler ist für mich jemand, den ich noch nie getroffen habe», sagte er. Was die hohen Preise betreffe, sei er in den vergangenen Jahren aber etwas abgebrühter geworden. Manche Leute gäben auch Unsummen für Schmuck, Häuser, Partys und Yachten aus. «Das ist ja alles irreal und ekelhaft.» Demgegenüber sei das Geld für ein Bild «fast schon vernünftig investiert.»

Die Qualität eines Bildes bleibt für Richter ein Mysterium. Es gebe nicht die richtigen Worte, um über Kunst zu reden: «In der Musik haben Sie ein besseres Vokabular. Da können Sie auch sagen, dass einer unmusikalisch ist. Wie aber nennen sie es, wenn einer nicht gucken kann? Es gibt da kein Äquivalent. Und genauso können Sie es nicht benennen, warum ein Gemälde besser als ein anderes ist.»

Der in Köln-Hahnwald lebende Künstler gab auch Einblick in seinen Tagesablauf. Er stehe jeden Morgen um sechs Uhr auf und arbeite von Punkt 8 Uhr bis etwa 19 Uhr im Atelier, nur unterbrochen von einem fünfzehnminütigen Mittagsschlaf und einem Spaziergang mit dem Hund am Nachmittag: «Lust habe ich dazu nie, aber wenn ich dann im Wald bin, bin ich immer glücklich, dass ich doch gegangen bin.» (dpa)

Zum 80. Geburtstag Richters hat der Schriftsteller und Filmregisseur Alexander Kluge elf Texte in Monopol 2/2012 veröffentlicht. Außerdem in der Februar-Ausgabe: Louise Lawlers Streifzug durch Museen mit Richter-Bildern

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