Gerhard-Richter

Gerhard Richters 80. Geburtstag

Europas größter moderner Maler

Gerhard Richter wird 80 Jahre alt. Die Neue Nationalgalerie in Berlin richtet ihm eine Retrospektive aus, und ob Kritik, Kunstmarkt oder Museumsbesucher - alle sind sich einig, dass Richter einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler weltwelt ist

16.02.2012

Gerhard Richter gilt als "Picasso des 21. Jahrhunderts" ("The Guardian"), als "Europas größter moderner Maler" ("The New York Times"), er stand auf Ranglisten der wichtigsten Künstler oft auf Platz 1 und seine Gemälde erzielen Rekordpreise. Wenn Richter jetzt 80 Jahre alt wird, dann feiert die Welt den Geburtstag eines Mannes, von dem jetzt schon feststeht, dass er in die Kunstgeschichte eingehen wird.

Die Neue Nationalgalerie in Berlin zeigt 150 seiner Gemälde (12. Februar bis 13. Mai). Neben frühen Werken wie „Tisch“ von 1962 oder „Vorhang III“ von 1965 ist selten oder noch nie Gezeigtes zu sehen. Dazu Legendäres wie der Akt der eine Treppe herabsteigenden „Ema“ oder „Betty“, die sich vom Betrachter ab- und dem nachtschwarzen Hintergrund zuwendet. Außerdem Werke mit Spiegeln und Glasscheiben. In seiner Befragung der Malerei hat Richter die Grenzen des Mediums immer wieder übertreten – auch das soll in der Retrospektive deutlich werden.

Richter hat am Donnerstag seine Ausstellung besucht. Der Künstle habe seinen Geburtstag nur im privaten Kreis mit der Familie feiern wollen, hieß es beim Museum. Zu dem Kurzbesuch sei er allerdings allein gekommen.

Als Ergänzung zu den Ölgemälden in der Nationalgalerie zeigt das private Berliner Ausstellungshaus me Collectors Room zeitgleich etwa 200 Auflagenwerke des Künstlers - Druckgrafiken, Fotoarbeiten, Künstlerbücher und Plakate (12. Februar-13.Mai). Veranstalter ist die Olbricht Stiftung - eigenen Angaben zufolge die wohl einzige Privatsammlung weltweit, die fast alle Richter-Editionen aus den vergangenen 50 Jahren hat.

Das Gerhard Richter Archiv in Richters Heimatstadt Dresden versammelt in der Ausstellung «Atlas» Fotografien, Zeitungsausschnitte, Skizzen und Entwürfe, die der Künstler über Jahrzehnte zusammengetragen hat (bis 22. April, hier unsere Besprechung der Ausstellung)

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat den in Köln lebenden Maler am Donnerstag zum Geburtstag als einen der "wichtigsten deutschen Künstler der Gegenwart" gewürdigt. "Sein Können und die Vielfalt seiner Arbeiten von der Malerei bis zu den Kölner Domfenstern sind zutiefst beeindruckend", teilte Westerwelle in Berlin mit. Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert gratulierte. Seine Lebensleistung werde weltweit anerkannt.

Richter selbst sieht Lobeshymnen dieser Tage eher skeptisch: "Was mir bei diesen Anlässen immer sehr unangenehm ist, sind die vielen Menschen, die sagen werden, wie toll die Ausstellung ist", sagte er kürzlich der "Welt am Sonntag". "Das sagen sie immer, es sei ganz toll. Und das bedeutet ja nichts." Auch mit Sammlern, die Millionenbeträge für seine Werke zahlen, kann er nichts anfangen. "Ein guter Sammler ist für mich jemand, den ich noch nie getroffen habe", sagte er.

"Zu der Zeit, als Richter 1961 aus der DDR in den Westen floh, sprachen viele vom Ende der Malerei", erläutert die Kunstbuchautorin Angela Wenzel aus Düsseldorf. Er belebte alle altbekannten Genres neu: Landschaften, Seestücke, Porträts, Aktbilder, Stillleben - wie die "Kerze", die im Oktober auf einer Auktion zwölf Millionen Euro erzielte - oder auch Historienbilder: Beispiele dafür sind sein RAF-Zyklus oder sein Gemälde zum 11. September. "Seine Wolkenbilder erinnern sogar an religiöse Malerei, da fehlen eigentlich nur noch die Engelchen", meint Wenzel. "Richter hat das alles wieder aufgegriffen, aber eben ganz anders als vorher."

Für Monopol gratuliert in Ausgabe 2/2012 der Großmeister aller Medien, Alexander Kluge, seinem Freund und Weggefährten in elf präzisen literarischen Miniaturen. Sie handeln vom Jahr 1966, einem Schlüsseljahr in Richters Laufbahn, aus dem auch bislang unveröffentlichte Selbstporträts stammen, die wir im Februarheft und auf dessen Cover exklusiv zeigen. Denn auch das gilt es an Richter noch zu entdecken: Humor. (dpa/monopol)

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