Bücher

Rosa-Barba-Monografie

Relikte der Analogtechnik

Diesen Bildern machen selbst die verwirrtesten Texte nichts aus: Eine längst überfällige Monografie über Rosa Barbas sehnsüchtige Filmkunst

von Elke Buhr
17.02.2012
Rosa Barba "Stage Archive", 2011, © Rosa Barba, VG Bild-Kunst, Bonnzur Bilderstrecke
Rosa Barba "Stage Archive", 2011, © Rosa Barba, VG Bild-Kunst, Bonn

Mehr zu diesem Artikel:
Bilderstrecke: 12 Bilder
  • Rosa Barba "Stage Archive", 2011, © Rosa Barba, VG Bild-Kunst, BonnRosa Barba "White Museum", 2010, Courtesy: The artist, carlier | gebauer, Berlin and Gió Marconi, Milan, © Rosa Barba, VG Bild-Kunst, BonnRosa Barba "White Museum", 2010, Courtesy: The artist, carlier | gebauer, Berlin and Gió Marconi, Milan, © Rosa Barba, VG Bild-Kunst, BonnRosa Barba "They Shine", 2007, Courtesy: The artist, carlier | gebauer, Berlin and Gió Marconi, Milan, © Rosa Barba, VG Bild-Kunst, BonnRosa Barba "White Museum", 2010, Courtesy: The artist, carlier | gebauer, Berlin and Gió Marconi, Milan, © Rosa Barba, VG Bild-Kunst, BonnRosa Barba "The Long Road", 2010, Courtesy: The artist, carlier | gebauer, Berlin and Gió Marconi, Milan, © Rosa Barba, VG Bild-Kunst, Bonn

Es ist ein alter Traum von Filmfans, nicht nur vor der Leinwand zu sitzen, sondern in sie einzutreten. Um ihn zu erfüllen, schießt die Berliner Künstlerin Rosa Barba, 1972 im italienischen Agrigent geboren, dem Publikum keine 3-D-Bilder um die Ohren. Sie wählt andere Wege, um ins Zentrum des Geschehens vorzudringen. 2010 verwandelte Barba zum Beispiel ein ganzes Museum (auf einer künstlichen Insel in der französischen Region Limousin) in einen Projektor. War es dunkel, trat gebündeltes Licht durch ein Fenster wie aus der Vorführkabine im Kino; drinnen wanderten die Betrachter durch eine Welt voller ratternder Apparate und Bilder.

„White Museum“ hieß ihre Installation im Centre international d’art et du paysage de l’île de Vassivière. „White Is an Image“ lautet nun der Titel der Publikation, die diese und einige andere größere Ausstellungen von 2010 aufnimmt und zugleich eine längst überfällige Monografie von Rosa Barbas schon umfassendem Schaffen darstellt.

Die Künstlerin, die unter anderem an der Kölner Kunsthochschule für Medien studierte und an der Rijksakademie Amsterdam als Artist in Residence arbeitete, behandelt das Medium vorzugsweise mit den Mitteln der Abstraktion. Ihre Leidenschaft sind die Relikte der Analogtechnik, mit denen sie gern skulptural umgeht. Sie hängt 16-Millimeter-Maschinen am Zelluloid selbst auf, das nichts zeigt als weißes Licht, oder platziert mehrere der Geräte im Raum. Oder sie lässt sie wie in einer Choreografie einzelne Wörter an die Wand werfen. Barbas Filme – immer analog produziert – fügen solchen Arrangements starke eigene Bilder hinzu.

Formen kollektiver Performances
Wenn Barba in einer amerikanischen Wüste mit der Kamera den Spuren einer verlassenen Autorennstrecke folgt wie einem geheimnisvollen gigantischen Schriftzeichen, steckt darin die sehnsüchtige Schönheit der Land-Art der 60er-Jahre. Da überrascht es fast, dass die Künstlerin bei aller Liebe zur formalen Ästhetisierung das Talent hat, Menschen einzubinden. In letzter Zeit entstanden stille, rätselhafte Fiktionen, die Barba als Formen von kollektiven Performances beschreibt.

Alle drei Werkgruppen werden in „White Is an Image“ durch zahlreiche Stills dokumentiert, die die elegische, häufig auch etwas nostalgische Stimmung von Barbas Arbeiten wunderbar wiedergeben. Schade nur, dass viele der Essays sich lieber in kryptische Metaphern hüllen, statt dem Leser die fürs Verständnis nötigen Fakten zu liefern. Aufschlussreicher als die kunstvollen Assoziationen eines Autors wären mehr Informationen über die oft sehr genauen Recherchen zu Orten und Personen, die Rosa Barbas Kompositionen zugrunde liegen.

Andrea Viliani, Chiara Parisi (Hg.): "Rosa Barba - White is an Image". Auf Englisch, Italienisch und Französisch. 293 Seiten, 39.80 Euro