Fotoausstellung in Düsseldorf
Die schönsten Blumen des Bösen
„Deutschland sucht den neuen Gursky“ - so könnte diese prominent kuratierte Nachwuchsschau auch heißen: „State of the Art“ im NRW-Forum Düsseldorf
Die Besetzung des achtköpfigen Auswahlteams fällt ziemlich angeberisch aus: Klaus Biesenbach, F.C. Gundlach, Udo Kittelmann, Thomas Weski und der unvermeidliche Andreas Gursky sind mit von der Partie. Das Ergebnis der Befragung bereits vorhandener oder sich anbahnender Tendenzen ist dennoch erfreulich ausgewogen.
Erstmal die gute Nachricht: Der Digitalisierung und Bilderüberflutung zum Trotz gibt es immer noch den erzählenden Fotografen alter Schule, der selbst zum Apparat greift wie Pepa Hristova, Mitglied der Ostkreuz-Agentur und eine begnadete Porträtistin. Die in Deutschland lebende Bulgarin findet auf ihren Reisen zu betörenden Reportagen, wie die über den Stamm der „Sworn Virgins“. Mitten in den albanischen Bergen stieß sie auf ein Phänomen wie aus dem Bilderbuch der Gender Studies: Frauen, die den Platz des fehlenden Familienoberhaupts einnehmen. Dank der alten Tradition steht ihnen der Rollenwechsel offen. Entweder werden sie schon als Kinder zu Jungs erzogen, oder ergreifen als Erwachsene den allgemein akzeptierten Sonderweg. Sie genießen die Freiheiten ihres sozialen Geschlechts und passen sich diesem auch äußerlich an, wovon eine eindrucksvoll selbstbewusste Serie von generationsübergreifenden „Mannsfrauen“ zeugt.
Natürlich mangelt es unter den 41 Erwählten nicht an Positionen, die sich an dem zeitgemäßen Spiel aus Täuschung und Gattungszersetzung erfreuen. Wozu nach Motiven suchen, wenn sie sich mit wenig Aufwand kunstvoll am Computer recyceln lassen. Die visuelle Erschöpfung trägt immerhin Früchte, mitunter auch die schönsten Blumen des Bösen, wie bei dem Dänen Asger Carlsen, der sich mit seinen grausamen Körperdeformationen als fleißiger Schüler von Francis Bacon outet.
Die Landschaften der Gursky-Elevin Alexandra Grein kombinieren die erhabene Welt von Caspar David Friedrich mit Satellitenaufnahmen von Google Earth. Andreas Mühe erforscht in den Inszenierungen seiner bemerkenswerten Serie „Obersalzberg“ die visuelle Grammatik der Nazi-Diktatur und Jeremy Kost bedient sich des guten alten Polaroids, um in Collagen die oberflächenverliebten 90er der Dragqueens und Coverboys wiederauferstehen zu lassen. Da soll einer sagen, der Nachwuchs wüsste mit den Fallen des Kopierens nicht konstruktiv umzugehen.
NRW-Forum, Düsseldorf, bis 6. Mai 2012




