Documenta 13

Knast oder Parkhaus

Übernachten bei der Documenta

Fluchtwege in einem Gefängnis? Das ist Vorschrift, denn in Kassel wird ein ehemaliger Knast während der Documenta zum Hotel. Und es gibt noch andere ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten

21.05.2012
Blick in eine Einzelzelle des ehemaligen Kasseler Untersuchungsgefängnisses Elwe (Foto: dpa)zur Bilderstrecke
Blick in eine Einzelzelle des ehemaligen Kasseler Untersuchungsgefängnisses Elwe (Foto: dpa)

Kassel (dpa) - Ein Metallbett, ein Tisch, die Toilette mitten im Raum: Die Zellen im ehemaligen Untersuchungsgefängnis Elwe in Kassel sind alles andere als gemütlich. Trotzdem werden diesen Sommer viele Menschen hier übernachten - freiwillig. Denn während der Kunstausstellung documenta (13), die vom 9. Juni bis 16. September stattfindet, wird der Knast 100 Tage lang zum Hotel.

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  • Blick in eine Einzelzelle des ehemaligen Kasseler Untersuchungsgefängnisses Elwe (Foto: dpa)Blick in einen Gang des Gefängnisses Elwe (Foto: dpa)Das ehemalige Kasseler Untersuchungsgefängnis Elwe (Foto: dpa)Eine Einzelzelle des ehemaligen Kasseler Untersuchungsgefängnisses Elwe (Foto: dpa)Blick in ein über einem Kasseler Parkhaus gelegenen Gästezimmer (Foto: dpa)

Hinter dem ungewöhnlichen Projekt stehen ein Immobilienunternehmer und ein Rechtsanwalt. Als die letzten Häftlinge Ende 2009 das Gefängnis verließen, überlegten Gotthard Fels und Christopher Posch, wie man den Bau nutzen könnte. Ihre Idee: Der Knast wird zum Schauplatz für kulturelle Veranstaltungen. Bis Ende 2012 haben sie den Gebäudekomplex gemietet, über einen Kauf wird noch verhandelt.

Wer die gelb getünchten Knast-Flure entlang geht, ahnt, wie sich die Insassen gefühlt haben müssen. Die Fenster sind vergittert, die Atmosphäre ist beklemmend. «Wir wollten dieses Ambiente unbedingt erhalten», sagt Immobilienunternehmer Fels. Die Atmosphäre sei schließlich das, was den Bau ausmache.

Damit der Knast als Hotel genutzt werden darf, musste einiges verändert werden. Die Schlösser an den Türen wurden ausgetauscht, damit die Gäste ihre Zelle eigenständig verlassen können. Statt einem gibt es zwei Duschräume auf jedem Flur - für mehr Privatsphäre. Zudem mussten Brandschutzbestimmungen eingehalten und Fluchtwege geschaffen werden. «Das war in einem Gefängnis nicht vorgesehen, wir haben also bei Null angefangen», sagt Fels.

Wem eine Übernachtung im Gefängnis allerdings zu düster ist, findet vielleicht im Parkhaus ein passendes Domizil. Über den Parkdecks an der Kasseler Wilhelmsstraße - nur wenige hundert Meter von den documenta-Schauplätzen entfernt - haben Lulu Gent, Juliane und Berenike Hebeler individuelle Gästezimmer eingerichtet. Jeder der Räume ist anders - mal im Stil der 1960er Jahre eingerichtet, mal mit Objekten von Nachwuchsdesignern, mal mit schriller Fototapete.

Ideal für Nostalgiker ist außerdem das Hotel Reiss am Kulturbahnhof, das schon in den 1950er Jahren gesellschaftlicher Treffpunkt war. In dem von Paul Bode und Ernst Brundig entworfenen Gebäude wurden einst glanzvolle Filmbälle gefeiert. Vor der documenta (13) ist das Traditionshaus von Grund auf modernisiert worden.

Die Hoteliers in und um Kassel nehmen eher zähneknirschend die befristeten Übernachtungsangebote anlässlich der bedeutendsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst zur Kenntnis. «Wir sind über diese Mitbewerber natürlich nicht erfreut», sagt Herwig Leuk, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Kassel. Da aber Nachfrage und Hotel-Auslastung während der Großausstellung hoch seien, sehe er in Projekten wie dem Knast-Hotel keine Konkurrenz.

Weitere Informationen zur Weltkunstschau finden Sie in unserem Documenta-Dossier

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