"30 Künstler/ 30 Räume"
Jeder hat sein eigenes Thema
Fit in den Sommer: Nürnberg dient als Trainingsgelände für Großschauen
Paris-Triennale, Berlin-Biennale, Manifesta, Documenta, „MADE IN GERMANY ZWEI“: Für den sommerlichen Kunstmarathon kann sich der Besucher jetzt warm laufen, die Trainingsstrecke führt durch ganz Nürnberg. Vier Veranstalter haben sich auf „30 Künstler / 30 Räume“ geeinigt, was im Ergebnis nicht so streng ausgefallen ist. Wenn, wie im Neuen Museum, keine geeigneten Kabinette zur Verfügung stehen, teilen sich eben zehn Künstler den einen großen Saal. Auch darf der programmatische Anspruch nicht zu sehr belastet werden. Rasch ist auf dem Parcours vergessen, dass der Teilnehmer „die Beschäftigung mit der Bedeutung und Gestalt von Raum und Räumen“ repräsentativ darstellen soll. Jeder hat sein eigenes Thema. Bis auf die Zahl ist keine verbindende Konzeption feststellbar.
Andererseits liegt im Wechsel der Stimmungen, Zeichensprachen, Gebärden und anderer Ausdrucksmittel auch ein gewisser Charme. Christine und Irene Hohenbüchler haben eine ganze Ladung bunt bezogener Schaumstoffklötze hergerichtet, doch niemand will mit ihnen spielen. Die Installation leidet an partizipativer Müdigkeit wie die Smoking-Lounge von Tobias Rehberger an der Tatsache, dass keiner mehr raucht.
Wenn es bei Rosemarie Trockel heißt: „Betreten auf eigene Gefahr“, bleibt der Gast lieber am Eingang stehen und wartet: Die Bühnenmaschine wird wieder Milch auf die gegenüberliegende Gerichtssaalwand spucken und der ferngesteuerte Gliedermann mit dem Schwamm anfangen zu fummeln. „S.h.e.“ ist ein ziemlich starkes Stück, aber oft zu sehen gewesen. Das „Jean Cocteau“-Zimmer von Marc Camille Chaimowicz oder Zilla Leuteneggers „Vollmond“-Installation ebenfalls. Alte Bekannte, die den neuen Arbeiten umso mehr Gewicht geben.
Michael Beutler etwa, der in der Kunsthalle einen Abschlusssaal mit einer Rundbank füllt, bei näherem Hinsehen ein Bassin. In ihm schwimmt ein Bambusgerüst mit baldachinartigem Behang. Wenn das Karussell angeschoben wird, beginnt sich der ganze Raum zu drehen. Listig ist hinter der Jurte auch der Durchschlupf in Max Frisingers „Kopfbahnhof“ versteckt. Man gerät in ein Gerümpellager, bei dem gerade die penible Ordnung für kafkaeskes Gefühl sorgt.
Und wer im Neuen Museum durch Ulla von Brandenburgs schneckenförmige Stoffschleuse ins kleine Kino gelangt ist, hält es auf den Stühlen im Herzen des fragilen Raums lange aus. Der Film „Chorspiel“, der dort vorgeführt wird, hat in seiner artifiziellen Fremdheit etwas eigentümlich Bannendes. Über den chromatischen Singsang, in dem sich die Spieltruppe ihre poetischen Bälle zuschiebt, sind manche Schnelleindrücke der Ausstellung jedoch schon wieder vergessen. „30 Künstler / 30 Räume“: als Testlauf willkommen, ganz fit ist der Besucher für den Kunstsommer noch nicht.
Institut für moderne Kunst, Kunsthalle, Kunstverein, Neues Museum - Staatliches Museum für Kunst und Design sowie Kunstraum Sterngasse, Nürnberg, bis 17. Juni
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