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Hans-Peter Feldmann in London

Zum Inhalt der Frauenhandtasche

Ein Fest des Schauens: Der Düsseldorfer Künstler Hans-Peter Feldmann in der Serpentine Gallery in London

von Katrin Wittneven
24.05.2012
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Der Weg zur Galerie führt durch die Kensington Gardens. Regen und Sonnenschein wechseln im Minutentakt. Zwischen den blühenden Bäumen füttert ein Mann einen hellgrünen Papagei. Es ist nicht Hans-Peter Feldmann, obwohl auch er ein Gespür für kleine Verschiebungen im Alltag und einen feinen Humor hat. Auf Feldmann stößt man erst bei seiner Soloschau in der Serpentine Gallery.

Achtmal ließ er sich 2010 in Madrid von Straßenkünstlern zeichnen. Eine entfernte Ähnlichkeit haben alle Bilder mit dem 1941 geborenen Düsseldorfer, doch die Serie lenkt den Blick auf die Unterschiede. Auf einem Bild hält er eine Kamera in der Hand, auf einem anderen ein Weinglas. Einmal sieht er aus wie ein Zwölfjähriger am Strand. Das Interesse an dieser Schnittmenge, die das Ganze von der Summe seiner Teile unterscheidet, spielt in vielen Arbeiten Feldmanns eine Rolle, ob er Frauenknie oder die einzelnen Früchte eines Pfunds Erdbeeren fotografiert oder Gemälde von Meeresdarstellungen sammelt und einen Restaurator bittet, die dargestellten Schiffe zu entfernen.

Nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten sucht man auch angesichts Hans-Peter Feldmanns Sammlung von Handtaschen, die er erstmals in London zeigt. Für 500 Euro hat er sie Frauen abgekauft und präsentiert die darin verstauten Lippenstifte, Haarnadeln, Tampons und Visitenkarten nun in Vitrinen. Ob jemand raucht oder Kinder hat, ins Bräunungsstudio geht oder Rabattmarken sammelt – im Kopf des Betrachters entstehen, natürlich, Bilder und entwickeln sich Geschichten. Und natürlich bleiben Fragen offen: Wo kommt die Frau her? Warum war sie in diesem Hotel? Was ist das für ein blaues Stoffschwein? Der Gast taucht ein in das Leben einer Fremden und wird selbst zum Voyeur, ohne dass die andere Person entblößt würde.

Hans-Peter Feldmanns Ausstellungen sind ein Fest des Schauens. Und wie sein Schattenkarussell, das den Zuschauer mit sich drehenden Spielzeugen und Nippes­figuren in seinen Bann zieht und sich mit herumliegenden Werkzeugen zugleich selbst als Illusion entlarvt, legen die Arbeiten ganz beiläufig die Relativität von Wahrnehmung und Bedingungen von Bild- und Kunstproduktion frei.

Serpentine Gallery, London, bis 5. Juni 2012. Variationen der Ausstellung in der BAWAG Contemporary, Wien, 21. Juni bis 26. August 2012

Dieser Artikel erschien in Ausgabe 06/2012. Sie können das Heft hier bestellen.

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