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Hans Schabus in Wien

Wegweiser fürs Museum

Im Erdgeschoss des 21er Hauses in Wien fragt Hans Schabus, was ein Museum für Gegenwartskunst leisten muss. Im Obergeschoss versuchen die Aussteller eine Antwort zu finden

von Sabrina Waffenschmidt
21.06.2012
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Es ist ein Spiel zwischen Innen und Außen, zwischen Kultur und Natur. Drinnen liegen 20 gefällte Baumstämme, draußen steht ein ganzer Garten noch verwurzelter Bäume. Abstraktion trifft auf Realität, Erstarrtes auf Lebendiges. Getrennt werden die beiden Räume lediglich durch die gläsernen Kubuswände des 21er Hauses. Offensichtlich ist die modernistische Architektur des ehemaligen österreichischen Pavillons zur Weltausstellung 1958 in Brüssel Ausgangspunkt für Hans Schabus‘ raumgreifende Installation „Vertikale Anstrengung“.

Ursprünglich vertikal geplant, sind die Baumstämme nun horizontal arrangiert. Mit ein wenig Mühe kann man von oben das Wort Museum lesen. Einige der gestapelten Stämme im Baummuseum zitieren große Bildhauer: Man erkennt Anklänge an die „Endlose Säule“ von Constantin Brâncuși, die geometrische Abstraktion Fritz Wotrubas und Filzarbeiten von Joseph Beuys. Unter den Stämmen klemmen bleierne Keile in Form von Nägeln, welche die Bäume vermeintlich vom musealen Boden lösen wollen. Ein weiteres Detail, das alte Schild der Arsenalstraße mit Wegweiser zum vorigen Museum des 20. Jahrhunderts, steht auf dem Kopf. Schabus stellt eine Frage in den Raum: Was muss ein Museum für Gegenwartskunst leisten?

Das Museum als Ort des Sammelns, Bewahrens und Ausstellens steht zwar mehr und mehr zur Diskussion, dennoch hat solch ein Ort für zeitgenössische Kunst in Wien lange Zeit gefehlt. Es wurde gesammelt und bewahrt, doch erst seit der Wiedereröffnung des 21er Hauses ist das Belvedere nun in der Lage, seine Bestände an zeitgenössischer Kunst im oberen Stock des Hauses auch auszustellen. Über 100 Skulpturen, Bilder und Installationen von überwiegend österreichischen aber auch internationalen Künstlern sind derzeit zu sehen.

Lokale Produktion neben internationaler Kunst
Es ist nicht ganz einfach, Malerei oder zweidimensionale Kunstwerke überhaupt auf den schmalen Gängen im Obergeschoss zu präsentieren, doch es ist den Ausstellern hervorragend gelungen. Zugegeben, im äußeren Gang würde man einige der großformatigen Bilder doch gerne mit mehr Abstand betrachten. Anderen Bildern kommt diese Nähe wiederum zugute. So kann man sich etwa dem Flirren des Bildes „Transvibration“ des österreichischen Künstlerehepaars H+H Joos aus dieser Nähe kaum entziehen.

Über die Ecken betritt man die luftigen und variablen Schachteln des Pavillonarchitekten Adolf Krischanitz, welche die Sammlung in thematische Kapitel bündelt: "Künstlergruppen", "Schriftbilder", "Nach der Malerei", "Verhandlungen der Moderne", "Knoten/Reihe/Struktur". Die lokale Produktion wird in den Kontext der internationalen Gegenwartskunst gestellt. Eine Antwort auf die im Erdgeschoss aufgeworfenen Fragen findet man indes nicht.

Deutet man schließlich den Titel der Einzelausstellung im Erdgeschoss als Kräftemessen zwischen Innen und Außen, zwischen Kultur und Natur, findet man womöglich auf dem Cover des Katalogs eine Antwort. Es zeigt ein zerstörtes 21er Haus. Der Titel: "Baum gefallen".

21er Haus, Wien, bis 9. September

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