Performance in Kassel
Documenta-Künstler Hoheisel reinigt Brunnen
Brunnenreinigung als Kunst-Performance: Der Kasseler documenta-Künstler Horst Hoheisel hat am Montag den Brunnen vor dem Kasseler Rathaus gereinigt.
Das von ihm entworfene Werk ist Teil der seit Samstag laufenden Kunstausstellung documenta (13). Der sich nach oben verjüngende Sandsteinobelisk wurde nach der documenta 8 (1987) kopfüber und zwölf Meter tief in die Erde abgelassen - man sieht lediglich eine Betonplatte, kann aber hineinschauen.
Das Kunstwerk ist eine negative Form des Aschrott-Brunnens, der nach dem jüdischen Stifter Sigmund Aschrott benannt und 1939 von den Nationalsozialisten zerstört wurde. Es sei «eine öffentliche Plastik, die durch ihre Abwesenheit anwesend ist», hieß es bei der documenta. Das «Gegen-Denkmal» fordere zum Nachdenken über Verlust auf. Die wichtigste Ausstellung für moderne Kunst läuft noch bis zum 16. September.
«Die Wunde im Platz sollte offen bleiben», sagte Hoheisel am Montag. Ein Umdrehen der Skulptur sei zwar möglich. «Aber solange hier noch Neonazis rumlaufen, bleibt er drinnen.» Hoheisel reinigt den Brunnen im Sommer monatlich. Es sei ein Ritual, aber auch eine Verantwortung für die Geschichte, betonte der Künstler. (dpa)
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