Tipps und Termine (15.-17.06)
Wohin am Wochenende?
Diskutieren im BMW Guggenheim Lab in Berlin, auf „Wattwanderung“ mit Thomas Schütte in Düsseldorf, feiern mit dem Kunstmuseum Bonn, „Tee trinken“ mit Corinna Schnitt in Ludwigshafen, Preview von „Marina Abramović. The Artist is Present“ in Frankfurt und Allen Jones in Tübingen ansehen
BMW Guggenheim Lab in Berlin
In Berlin startet am Freitag mit dreiwöchiger Verspätung das
Kulturprojekt BMW Guggenheim Lab. Das reisende Forschungslabor steht an
der früheren Brauerei Pfefferberg im Ortsteil Prenzlauer Berg des
Bezirks Pankow. Die Veranstalter hatten im März aus Sorge vor Gewalt die
Pläne für einen Standort im Stadtteil Kreuzberg abgesagt. Nun soll es
sechs Wochen lang mehr als 100 kostenlose Veranstaltungen geben:
Vorträge, Diskussionen, Workshops und Exkursionen. Thema ist die
Lebensqualität in Großstädten. Eine offizielle Zeremonie ist zum Auftakt
nicht geplant. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD)
will am Nachmittag gemeinsam mit dem Guggenheim-Chef Richard Armstrong
das Projekt besuchen. Berlin ist nach New York die zweite Station, Ende
2012 folgt das indische Mumbai. Die Guggenheim-Gegner in Kreuzberg
hatten in dem Projekt ein Zeichen der unerwünschten Aufwertung des
Viertels gesehen. (dpa)
BMW Guggenheim Lab, Berlin, bis 29. Juli
Thomas Schüttes „Wattwanderung“ in Düsseldorf
Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt ab 16.06 in der „Bel Etage“ im 1. Obergeschoss von K21 Wattwanderung (2001) von Thomas Schütte. Die raumgreifende Arbeit, die sich schon seit 2004 in den Beständen der Kunstsammlung befindet, wird nun erstmals ausgestellt. Die Präsentationsform, die der Künstler entwickelt hat, ist ungewöhnlich: Das Konvolut von 138 Kupferstichen wird Blatt für Blatt an quer im Raum verspannten Wäscheleinen befestigt. Als eine Art Tagebuch verstanden, durchschreitet der Besucher Themen wie beispielsweise Selbstporträts oder Blumen, die Thomas Schütte in sehr unterschiedlich zeichnerischer Ausführung auf Papier gebannt hat.
K21 Kunstsammlung Nordrhein–Westfalen, Düsseldorf, 16. Juni bis 9. September
Neuinszenierung des Kunstmuseums Bonn
Unter dem Titel
«Wasserstandsmeldung» präsentiert das Kunstmuseum Bonn seine Sammlung
neu. Anlass ist die Eröffnung des von Axel Schultes entworfenen Neubaus
an der Bonner Museumsmeile vor 20 Jahren. Reinhard Muchas
«Wasserstandsmeldung» aus dem Jahr 1986 ist eine große Installation aus
der Erstpräsentation von damals. Sie wurde in ihrem ursprünglichen Raum
eingerichtet. Seine Kompetenz als Malermuseum zeigt das Haus mit neuen
Räumen zu Franz Ackermann, Thomas Scheibitz und Neo Rauch. Zu sehen sind
auch Neuankäufe von Jürgen Klauke und Andreas Gefellers.(dpa)
Kunstmuseum Bonn, Eröffnung: Sonntag, 17. Juni, ab 11 Uhr
Corinna Schnitt „Tee trinken“ in Ludwigshafen
Die Filmemacherin Corinna Schnitt zeigt im Wilhelm-Hack.Museum ihre neue Videoarbeit. In Tee trinken werden vereinzelt ältere Menschen in einem gigantischen modernen Wohnensemble inszeniert, die stumm und unbeweglich dasitzen. Sie betrachten auf verschiedenen Fernsehern das immer gleiche Video von einem jungen Mädchen in einem Blumenfeld, das vornehm Tee trinkt und lächelt. Es geht um das Verhältnis von Alter und Jugend, um das Verhältnis von Natur und Kultur und schließlich auch um das Verhältnis von Wirklichkeit und Medien.
Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen am Rhein, 16. Juni bis 15. September, Vernissage: 15. Juni, 19 Uhr
„Marina Abramović. The Artist is Present“ in Frankfurt
Von Mitte März bis Ende Mai 2010 saß Marina Abramović elf Wochen lang unbeweglich an
einem Tisch im Atrium des New Yorker Museum of Modern Art (MoMA), fünf
Tage die Woche für sieben, an Freitagen zehn Stunden. Der Stuhl ihr
gegenüber war für Ausstellungsbesucher reserviert, die sich natürlich
darum rissen, dem Star in die Augen zu sehen. Das Filmporträt „Marina Abramović. The Artist is Present“, das auf der Berlinale Europa-Premiere feierte, kreist um diese Extrem-Performance. Die Doku von Matthew Akers ist am Wochenende im Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt zu sehen.
Museum für Moderne Kunst, Frankfurt, Einführung um 18 Uhr, Filmscreening um 19 Uhr
Allen Jones in der Kunsthalle Tübingen
Seine Skulpturen haben erst kürzlich Millionenpreise erzielt, nun zeigt die Tübinger Kunsthalle eine Retrospektive des Pop-Art-Künstlers Allen Jones. Zu sehen sind die berühmten Möbelskulpturen, mit denen der Brite 1969 einen Aufschrei auslöste: Drei spärlich bekleidete Frauen hat er als Hutständer, Sessel und Tisch dargestellt. Neben den Skulpturen umfasst die Schau auch selten gezeigte Gemälde und Arbeiten auf Papier - insgesamt 80 Werke. Jones wird am 1. September 75 Jahre alt. Der Künstler hofft auf die Einsicht der Besucher, dass es ihm nicht um Frauenverachtung gehe. Wer Jones verstehen wolle, dürfe den dargestellten Inhalt nicht mit der Botschaft des Kunstwerks verwechseln, erklärt auch Kurator Daniel Schreiber: «Es sind Fiberglas und Stahl, die in die Möbelform gezwungen werden - und keine Menschen. Nicht um Frauenverachtung geht es dem Künstler, sondern um die Infragestellung von Denkverboten und sittlichen Schranken.» Werke von Allen Jones aus dem Nachlass des Kunstsammlers Gunter Sachs waren vor drei Wochen im Londoner Auktionshaus Sotheby's versteigert worden. Völlig unerwartet entbrannte dabei ein Bieterwettkampf, so dass drei Skulpturen schließlich für umgerechnet rund drei Millionen Euro verkauft wurden - fast 20 Mal so viel wie erwartet. (dpa)
Kunsthalle Tübingen, 16. Juni bis 16. September
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