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Protest in Potsdam

Joop und Jauch demonstrieren für Kunsthalle

Es soll ein großzügiges Geschenk sein. Doch statt Freude gibt es Diskussion: Die geplante Kunsthalle von Mäzen Plattner spaltet Potsdam. Nun melden sich Prominente zu Wort - und könnten Erfolg haben

19.06.2012
Modedesigner Wolfgang Joop (l.) unterhält sich am Montagauf dem Alten Markt in Potsdam mit Mäzen Hasso Plattner (Foto: dpa)zur Bilderstrecke
Modedesigner Wolfgang Joop (l.) unterhält sich am Montagauf dem Alten Markt in Potsdam mit Mäzen Hasso Plattner (Foto: dpa)

Potsdam (dpa) - Es könnte so schön sein: Eine moderne Kunsthalle im Herzen Potsdams. Fußläufig vom Hauptbahnhof, gegenüber dem Landtagsneubau in Gestalt des historischen Stadtschlosses. Doch das geplante Kunstprojekt des Software-Milliardärs Hasso Plattner hat einen heftigen Streit um den künftigen Standort ausgelöst. Jetzt haben sich Potsdams Prominente zu Wort gemeldet. Am Montag gingen sie zusammen mit rund 1000 anderen Unterstützern für Plattners Idee auf die Straße. Auch der Mäzen selbst zeigte sich. «Plattner statt Platte», hieß es auf Plakaten. «Es ist mir eine Herzensangelegenheit, auf das hinzuweisen, was Potsdam braucht: Kunst, Kunst, Kunst», so Modedesigner Wolfgang Joop zur Nachrichtenagentur dpa.

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  • Modedesigner Wolfgang Joop (l.) unterhält sich am Montagauf dem Alten Markt in Potsdam mit Mäzen Hasso Plattner (Foto: dpa)TV-Moderator Günther Jauch (l) im Gespräch mit Hasso Plattner (Foto: dpa)Jauch forderte am Montag den Bau der Kunsthalle im Lustgarten in Potsdam und den dazu notwendigen Abriss der Mercure Hotels (Foto: dpa)

TV-Moderator Günther Jauch hat dafür sogar seinen Urlaub verschoben. «Hasso Plattner muss erfahren, dass eine überwältigende Mehrheit der Potsdamer sich über sein Engagement unbändig freut», betont der Wahl-Potsdamer. «Ich finde die Aktivitäten einiger weniger, die anscheinend wieder (Schaden)-Freude daran haben, in Potsdam destruktiv tätig zu werden, geradezu beschämend.» Der Moderator - selbst großer Förderer Potsdams - ist wütend. Seite an Seite mit Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und Schauspielerin Nadja Uhl bemühte sich Jauch, den großzügigsten Gönner der Stadt umzustimmen. Einige Gegendemonstranten hatten dem wenig entgegenzusetzen.

Plattner ist es zu verdanken, dass der Landtag in das wieder aufgebaute Stadtschloss am Alten Markt ziehen wird. 20 Millionen Euro hat er dafür locker gemacht, später schoss er weitere Millionen nach, damit das originalgetreue Kupferdach realisiert werden kann. Im April verkündete der charismatische Unternehmer dann, im Herzen Potsdams eine Kunsthalle errichten zu wollen. Dort will er seine private Sammlung mit DDR-Werken zeigen, etwa 25 Stücke seien dafür schon zusammengekommen. Einen Eindruck davon vermitteln Objekte, die im Hasso-Plattner-Institut in Potsdam zu sehen sind - beispielsweise von dem 2011 gestorbenen Bernhard Heisig oder von Werner Liebmann sowie Skulpturen von Jan Jastram.

Großem Jubel folgte rasch harsche Kritik. Denn für die Kunsthalle soll ein Hotelkomplex aus DDR-Zeiten am Lustgarten weichen. Diesen will die Stadtspitze schon lange abreißen lassen, doch das Geld fehlt, um den Eigentümer - eine New Yorker Investmentfirma - auszuzahlen. In Plattners Plänen und dessen Finanzkraft witterte OB Jakobs die Chance, die Umgestaltung endlich zu realisieren. Rückenwind gibt es von Anhängern der historischen Mitte Potsdams, zu denen TV-Moderator Jauch zählt.

Sie hatten die Rechnung ohne alteingesessene Potsdamer und linke Kräfte gemacht. Deren Protest fiel teils derart hitzig aus, dass Plattner vergangene Woche überraschend verkündete: Die Kunsthalle entsteht am Stadtrand im Norden. Am Jungfernsee besitze er selbst bereits ein Grundstück, es fehle lediglich die Baugenehmigung. «Ich will die Kunsthalle nicht gegen den Willen eines einzigen Potsdamers errichten», so der Software-Milliardär.

Nun machen die Anhänger des historischen Stadtkerns mobil. Sie haben zum «Aufstand der Vernunft» aufgerufen - und viele Prominente, Politiker sowie Kunstschaffende haben sich angeschlossen. Sie wollen Plattner dazu bringen, seine Kunsthalle doch in bester Lage zu errichten. «Wir freuen uns sehr, dass es zu diesem Schulterschluss der Potsdamer gekommen ist», sagt Initiatorin Barbara Kuster von der Bürgerinitiative Mitteschön. Plattner selbst zeigt sich beeindruckt und verspricht, sich die Sache nochmal anzuschauen: «Wenn es Lösungen für die Probleme gibt, soll es an mir nicht liegen.»

Linken-Politiker Hans-Jürgen Scharfenberg hält die Demonstration für «kein geeignetes Mittel». Aus Sicht seiner Fraktion im Stadtparlament war es ein Fehler, den Standort der Kunsthalle mit dem Abriss des Hotels zu verquicken. «Da haben wir von Anfang an Probleme gesehen.» Die Linken favorisieren darum einen anderen Platz in der Nähe, der nach Ansicht der Stadtspitze aber weniger geeignet ist. «Wir fänden es auch besser, wenn die Kunsthalle in der Innenstadt wäre», so Scharfenberg. «Entscheidend aber ist, dass es sie in Potsdam geben wird.»

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