Jeff Koons in Frankfurt
Die ganz große Show
Hyper, hyper: Jeff Koons wird in zwei Frankfurter Ausstellungen als Maler und Bildhauer gefeiert
„I love“, so beginnt Jeff Koons jeden Satz. Er liebt die Stadt Frankfurt, die Räume in den beiden Museen, die ihm zur Verfügung gestellt wurden. Er liebt den Dialog mit den Kuratoren, mit denen er in der Schirn seine Gemälde und im Liebieghaus seine Skulpturen platziert hat. Er liebt ganz besonders jede einzelne Inszenierung, und das würde an seiner Stelle jeder tun. Denn die Großausstellung „Jeff Koons – The Painter & The Sculptor“ ist eine ganz große Show.
Schon immer hatten Koons’ Gemälde es schwerer als seine Skulpturen – diese Malerei, die künstlerische Spuren zu vermeiden versucht, ist oft verdammt nah dran an dem, was ohnehin schon da ist. Koons fing in den 80er-Jahren damit an, alle möglichen Elemente der visuellen Gebrauchskultur miteinander zu verschneiden, die Bildwelten des Internet haben ihn allerdings eingeholt.
Der Serie „Made in Heaven“, die in der Schirn von den anderen Gemälden etwas separiert präsentiert wird, konnte auch Youporn bisher nichts entgegensetzen: Die ultrasüßen, obszönen Adam-und-Eva-Bilder von Koons und seiner damaligen Frau Ilona Staller sind immer noch ein Schock. Im Katalog – es gibt für jede Ausstellung einen eigenen – sind sie so beschnitten abgebildet, das keine Geschlechtsteile zu sehen sind. Das war aber nicht der Wunsch des Sponsors, sondern der von Jeff Koons.
Milde sind auch seine Farben geworden: Die neue Serie „Antiquity“ zitiert Symbole aus der Antike, und als ob das im üblichen Hulk-Grün und Hummer-Rot nicht geht, liegt ihnen ein sanfter Sepiaton zugrunde.
Manchmal ein zu cleveres Schmunzeln
Der eigentliche Koons-Moment kommt aber erst im Liebieghaus, wo aufgrund der mutigen Anregung des Leiters der antiken Sammlung Vinzenz Brinkmann die Schätze des Hauses aus Uschebtis und Altarreliefs, Statuen der Antike und Büsten nicht weggeräumt wurde, sondern nun in Dialog tritt, zum Beispiel mit dem goldenen Michael Jackson (der alle Aufmerksamkeit braucht, selbst die der Sarkophage).
Die „Balloon Venus“, eine neue chromglänzende Arbeit, und die beiden Hulk-Figuern, die eine Glocke tragen, sind nur auf den ersten Blick die überdrehtesten, hysterischsten, durchgeknalltesten Arbeiten. Besonders vertrackt wird es, wenn zwischen gotische Schnitzerei plötzlich von Koons in Auftrag gegebene Holz-Arbeiten geschmuggelt werden. Wer dachte, spätgotische Kruzifixe seien das Schmerzhafteste, das die bildende Kunst je hervorgebracht hat, der muss bei Koons’ „Banality“-Serie immer betreten weggeguckt haben.
Manchmal versucht die Ausstellung zu clever zu schmunzeln, etwa wenn Büsten der Reinaissance mit Koons-Büsten erwidert werden. Koons, der Perfektionist, besteht darauf, dass die Pointe die seine bleibt. Und setzt die unfassbare „Cat on a Clothesline (Blue Sock)“ derart prominent ins Treppenhaus, dass es einem jedes ironische Geschmunzel sofort wieder verschlägt.
Der silberne Hase und das ikonische Frühwerk, der Spaldings-Basketball, sie alle sind da, und sie provozieren hier kein bisschen. Der hübsche Park des Liebieghauses hat neue Blumenrabatten, fehlt nur der gigantische, unerhörte Blumenhund, der einzige Hund, der es je wirklich zu etwas gebracht hat in der zeitgenössischen Kunst.
Jeff Koons "The Painter & The Sculptor" Schirn Kunsthalle, Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main, 20. Juni bis 23. September. In Monopol Spezial, einem monografischen Sonderheft, erfahren Sie alles über Jeff Koons, sein Werk und seine Ausstellungen
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