Enwezor sieht Schlingensiefs Afrika-Projekt skeptisch
Berlin (dpa) - Okwui Enwezor, Chef im Münchner Haus der Kunst, sieht das von Christoph Schlingensief (1960-2010) geplante Operndorf in Burkina Faso kritisch
«Eine Oper in Burkina Faso - das kann ich nicht ernst nehmen. Es ist der legitime Traum eines Menschen. Aber es ist nicht das, was ich mir unter Kunst vorstelle», sagte der Nigerianer in einem Interview mit dem «Tagesspiegel» vom Sonntag. Auch Träume sollten kritisch hinterfragt werden. Für das Operndorf im bitterarmen Burkina Faso im Westen Afrikas hatte Schlingensief noch kurz vor seinem Tod den Grundstein gelegt. Der Regisseur war im August 2010 mit 49 Jahren gestorben.
Nach Ansicht des Kritikers und Ausstellungsmachers ist der Westen in gewissem Sinne eine Fiktion. «Die Idee des Westens ist der Versuch, hierarchische Verhältnisse zwischen den Kulturen zu etablieren», sagte Enwezor in dem Gespräch mit dem «Tagesspiegel». «Doch die Machtverhältnisse verändern sich gerade. Ich sage Ihnen: Afrika ist die Zukunft. In 25 Jahren ist es soweit.» Man solle sich abgewöhnen, den Kontinent als eine Einheit zu betrachten. Enwezor kritisierte: «Alles Normale, Positive wird ausgeblendet. Afrika wird gedanklich ausgelöscht, um sich nicht damit befassen zu müssen.»
Enwezor war von 1998 bis 2002 künstlerischer Leiter der documenta 11 in Kassel. Sein Amt als Leiter des Hauses der Kunst in München trat er im Oktober vergangenen Jahres an. Um zu testen, wie kosmopolitisch eine Stadt ist, habe er einen Test: «Finde ich einen Friseur, der meine Haare schneiden kann? In Kassel fand ich ihn, einen Kanadier.»
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