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Marianne Wex in Karlsruhe

Heute heißt das Gender Studies

Marianne Wex' alte Arbeiten über Männer und Frauen im Badischen Kunstverein

04.07.2012
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Wer die Künstlerin mit Google sucht, findet ganz oben in der Ergebnisliste ihre Website, auf der sie für alternative Selbstheil­methoden wirbt. Dabei handelt es sich ausnahmsweise nicht um eine falsche Fährte. Denn nachdem Marianne Wex ihr bekanntestes Werk „‚Weibliche‘ und ‚männliche‘ Körpersprache als Folge patriarchalischer Machtverhältnisse“ im Rahmen einer Gruppenschau in der Berliner Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst 1977 präsentiert und zwei Jahre später in Buchform veröffentlicht hatte, wandte sie sich von der Kunstwelt ab und wurde von ihr vergessen.

Wex’ Arbeit ist das Ergebnis einer mehrjährigen Studie über das menschliche Verhalten in der Öffentlichkeit, für die sich die Malerin, geboren 1937 in Hamburg, der Collage und Fotografie bediente und Männer und Frauen ungesehen beobachtete und fotografierte. Wie der englische Titel „Let’s Take Back Our Space“ andeutet, verfolgte Wex damit ein Ziel: Geschlechterunterschiede, wie sie durch Gesten reproduziert werden, heraus- und infrage zu stellen. Zusätzlich beinhaltet das Werk Vergleiche mit Werbe- und Pressebildern sowie Darstellungen aus der Kunstgeschichte. Dominante männliche stehen demütigen weiblichen Figuren gegenüber.

Über 30 Jahre lagen Wex’ Fotoarbeiten im Archiv Bildwechsel in Hamburg. Erst 2009 setzte sich der Kritiker und Kurator Mike Sperlinger dafür ein, Wex wieder auszustellen. Auf die Gruppenschau in der britischen Focal Point Gallery folgt nun die überfällige Einzelschau im Badischen Kunstverein. Während andere Künstler der 70er-Jahre ihr Werk kontinuierlich weiterschreiben und neu interpretieren konnten, stehen die Männer und Frauen von Marianne Wex in ihrer Zeit still. Rückblickend wirken sie vielleicht altmodisch, ihre Körpersprache scheint überholt.

Die mit mehreren Tausend Originalfotos groß angelegte und sehr subjektive Studie zeigt jedoch die entschlossene politische Haltung einer Künstlerin, die wie Valie Export, Friederike Petzold oder Rebecca Horn einen wesentlichen Beitrag zu dekonstruktivistischen Bildverfahren leistete.

Badischer Kunstverein, Karlsuhe, 6. Juli bis 9. September, Eröffnung: Donnerstag, 5. Juli, 19 Uhr

Dieser Artikel erschien in Ausgabe 07/2012. Sie können das Heft hier bestellen.

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