Documenta-Publikationen
Methodisches Sich-Verzetteln
Grünes von Carolyn Christov-Bakargiev: Die Documenta-Publikationen sind so wortgewaltig wie sie
Es hatte etwas länger gedauert, bis die von der Documenta 13 herausgegebenen „100 Notizbücher“ zur Pflichtlektüre wurden. Wer den Einstieg schaffte, konnte schon vieles über die Ausstellung erfahren, was offiziell ein großes Geheimnis war. Gedanke reihte sich an Gedanke, wie in einem Krimi sammelten sich Indizien dafür, was für eine Ausstellung es werden würde.
Jetzt ist das Geheimnis gelüftet, und vieles ist tatsächlich in Kunstwerke überführt worden. Song Dong zum Beispiel, der ein kurzes Gedicht über das Nichtstun mehrmals von Übersetzungsbüros vom Chinesischen ins Englische übertragen ließ und ziemlich poetische Abweichungen erhielt. Jetzt ist das Gedicht in Mandarin auf seinem bepflanzten Hügel zu sehen. Oder Mariam Ghani, deren Kompendium über Afghanistan nicht nur beim Betrachten ihrer eigenen filmischen Arbeit hilfreich ist – Kabul spielt in Kassel ständig den abwesenden Counterpart.
Es ist also gut, dass die Documenta die „100 Notizbücher“ noch einmal zusammengefasst in einem gigantischen grünen Band herausgibt. „Das Buch der Bücher“ heißt er ironisch, und er beginnt mit einer mehrseitigen Leseliste – da kommen Carolyn Christov-Bakargievs Gelehrtheit, aber auch ihr methodisches Sich-Verzetteln zur Geltung.
Angenehm direkt ist das dunkelgrüne „Begleitbuch“, eigentliches Handbuch zur Ausstellung. Jeder Teilnehmer wird jeweils auf einer Doppelseite in Bild und Text vorgestellt (außer Trisha Donnelly, die sich vielleicht jeder Form des Begreifens generell entzieht und der zwei Bilder ohne Text vorbehalten sind). Die Beschreibungen sind knapp, die rund 60 Autoren verzichten weitgehend auf akademische Floskeln: Hier wird trotz anspruchsvoller Inhalte an Allgemeinverständlichkeit geglaubt.
„Das Logbuch“, wiederum in einem anderen Grünton gehalten, wird dann alle Documenta-Installationen zeigen und einen weiteren Blick in Christov-Bakargievs rhizomatisches Denken gewähren – unter anderem mit Handyfotos der Documenta-Chefin.
Documenta/Museum Fridericianum (Hrsg.): „Das Buch der Bücher“. Auf Deutsch. 790 Seiten, 68 Euro. „Das Logbuch/The Logbook“. Auf Deutsch und Englisch. 304 Seiten, 30 Euro, ab 31. Juli. „Das Begleitbuch/The Guidebook“, Auf Deutsch und Englisch. 536 Seiten, 24 Euro. Alle Hatje Cantz
Dieser Artikel erschien in Ausgabe 07/2012. Sie können das Heft hier bestellen.
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