Streit über Umbau der Berliner Museen
Parzinger: Proteste gegen Galerieumzug unberechtigt und unwürdig
Gegen den Umbau der Berliner Museen regt sich Protest. Die Alten Meister sollen vom Kulturforum am Potsdamer Platz auf die Museumsinsel ziehen - für Kritiker ein Kulturbruch, für Befürworter ein Wunder
Berlin (dpa) - Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, hat die Proteste gegen die Neuordnung der Berliner Museen als unberechtigt zurückgewiesen. «Der Umzug der Gemäldegalerie in das Bode-Museum und ein Neubau für die Alten Meister wird nicht nur die Museumsinsel vollenden, sondern ein Wunder der Kunst entstehen lassen, das nur in Berlin möglich ist», sagte Parzinger der Nachrichtenagentur dpa. In der heutigen Gemäldegalerie solle Kunst des 20. Jahrhunderts ausgestellt werden.
Durch den Bildersturm der Nazis habe die Kunst der Klassischen Moderne unsäglich gelitten. «Berlin braucht deshalb endlich ein Haus für die Kunst des 20. Jahrhunderts.» Mit der Bewilligung von 10 Millionen Euro soll die Gemäldegalerie dafür umgebaut werden. Auch in der Übergangszeit werde die Alte Malerei glanzvoll präsent sein, betonte Parzinger.
Der Generaldirektor der Staatlichen Museen, Michael Eissenhauer, sagte, die alten Gemälde sollten zusammen mit den Skulpturen im Bode-Museum vereint werden. Da das Bode-Museums für beide Sammlungen zu klein sei, sei der Erweiterungsbau notwendig.
Bereits seit der Wiedervereinigung habe es den Plan gegeben, Malerei und Skulptur auf der Museumsinsel zusammenzuführen, sagte Parzinger. «Die derzeitigen Proteste zielen darauf ab, die Alten Meister gegen die Moderne auszuspielen. Das ist unwürdig», sagte Parzinger. «Berlin kann jetzt Enormes gewinnen oder alles verlieren.»
Nach den Plänen der Staatlichen Museen zu Berlin soll die Gemäldesammlung am Kulturforum in der Nähe des Potsdamer Platzes für die Privatsammlung Pietzsch weichen. Dafür müssen die Alten Meister - von Canaletto bis Rembrandt - vorübergehend auf die Museumsinsel ziehen. Erst in einem Galerieneubau sollen sie wieder vollständig ausgestellt werden. Bis wann dieser Neubau auf einem Kasernengelände am Kupfergraben gegenüber dem Bode-Museum entstehen soll, ist offen.
Das Sammlerehepaar Ulla und Heiner Pietzsch hat dem Land Berlin seine auf 150 Millionen Euro geschätzte Sammlung mit Werken surrealistischer Kunst unter der Bedingung zugesagt, dass sie dauerhaft gezeigt wird. Der Verband Deutscher Kunsthistoriker hatte die Umzugspläne «unverantwortlich» genannt. Das Bode-Museum sei für die Alten Meister zu klein. Solange es keinen Neubau für sie gebe, dürften die Werke der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden.
Die Gemäldegalerie beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen der europäischen Malerei vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Das Gebäude am Kulturforum wurde eigens vom Architekturbüro Hilmer & Sattler und Albrecht für die Bestände gebaut.
Sind wir so?
Malerei aus Deutschland: schwermütig und düster.
Stimmt das oder ist
es ein Vorurteil
Manfred Kuttner Er war Mitbegründer des
"Kapitalistischen Realismus", dann wurde er vergessen. Jetzt folgt die Renaissance des Malers
Portfolio: Philip-Lorca diCorcia Der
amerikanische Fotograf hat sich auf die Spuren von John Steinbeck
begeben und stellt mit "East of Eden" einen neuen Bilderzyklus vor
Ab nach ... Zürich und Basel Wohin beim
Galerienwochenende in Zürich und während der Art Basel? Außerdem:
Maurizio Cattelan meldet sich mit einer Soloschau in der Fondation
Beyeler zurück - ein Interview. Und: Kuratorin Beatrix Ruf über ihr
neues Projekt POOL
Zusätzlich in dieser Ausgabe: Unser Sonderheft zur Biennale Venedig Das Magazin zur Kunstschau des Jahres. Porträt: Anri Sala. Der Künstler stellt im deutschen Pavillon aus. Plus: Massimiliano Gioni, Ai Weiwei


