Neuerscheinung
Skating Kabul
Skateistan ist der unwahrscheinlich geglückte Versuch von Aufbauhilfe in Afghanistan. Ein Buch dokumentiert das Projekt
Sie haben etwas Umwerfendes, die Fotos von Mädchen, die in Pantoffeln auf einem Skateboard stehen, unter dem Sturzhelm ihr Kopftuch tragend. Ihr Anblick ist in mehrerlei Hinsicht unwahrscheinlich. Weniger, weil Skaten immer ein Jungssport geblieben ist. Sondern weil diese Kids in Afghanistan leben, dem seit mehr als 30 Jahren von Krieg, Terror und Armut geschüttelten Land, wo unter den Taliban jeder Sport unter Strafe stand und Frauen nur in Begleitung eines männlichen Verwandten und versteckt unter einer Burka das Haus verlassen durften.
Skateistan ist eine Nichtregierungsorganisation, die auf der Idee des vor mittlerweile fünf Jahren eher unbedarft in Kabul gelandeten australischen Weltreisenden, Gelegenheitsjobbers und Skaters Oliver Percovich beruht. Und zu guten Teilen auf Glück. Da das Rollbrett in diesem Teil der Welt damals unbekannt war, galt es nicht als Sportgerät, sondern als Spielzeug. Gemeinsam mit einem Afghanen und einem Deutschen, die er vor Ort kennenlernte, baute Percovich unter widrigen Umständen einen Skatepark auf, in dem heute knapp 500 Mädchen und Jungen Backflips und Ollies üben. Die Kinder verpflichten sich, genauso viel Zeit, wie sie mit dem Skaten verbringen, in der angeschlossenen Schule anwesend zu sein, wo Lesen, Theater oder das Bedienen von Computern auf dem Lehrplan stehen.
Der Band vereint Bilder des trotz seiner Verwundungen rasend schönen, oft archaisch anmutenden Lands mit Interviews von Skateistan-Beteiligten und -Schülern und einer (Sozial-) Geschichte Afghanistans: von der Sowjetherrschaft über die Taliban und den jüngsten Krieg bis heute, kurz vor Abzug der Isaf-Truppen und einer ungewissen Zukunft. Immer dann, wenn es um die Organisation selbst geht, gerät der Tonfall zwar recht selbstzufrieden, aber das ist angesichts der Verdienste des Projekts zu verschmerzen.
„Ein Skatepark und eine Skateschule mitten im Krieg haben doch vollkommen Sinn in einer sinnlosen Welt, oder?“ Diese Frage ist dem Buch vorangestellt. Und sie ist, das zeigt „Skateistan“, eine rhetorische.
Skateistan e.V./CDAP (Hrsg.): "Skateistan". Auf Englisch, bislang nur über www.skateistan.org/book zu beziehen, 320 Seiten, 40 Euro. Die Einnahmen gehen zu hundert Prozent an Skateistan
Dieser Artikel erschien in Ausgabe 07/2012. Sie können das Heft hier bestellen.
Sind wir so?
Malerei aus Deutschland: schwermütig und düster.
Stimmt das oder ist
es ein Vorurteil?
Manfred Kuttner Er war Mitbegründer des
"Kapitalistischen Realismus", dann wurde er vergessen. Jetzt folgt die Renaissance des Malers
Portfolio: Philip-Lorca diCorcia Der
amerikanische Fotograf hat sich auf die Spuren von John Steinbeck
begeben und stellt mit "East of Eden" einen neuen Bilderzyklus vor
Ab nach ... Zürich und Basel Wohin beim
Galerienwochenende in Zürich und während der Art Basel? Außerdem:
Maurizio Cattelan meldet sich mit einer Soloschau in der Fondation
Beyeler zurück - ein Interview. Und: Kuratorin Beatrix Ruf über ihr
neues Projekt POOL
Zusätzlich in dieser Ausgabe: Unser Sonderheft zur Biennale Venedig Das Magazin zur Kunstschau des Jahres. Porträt: Anri Sala. Der Künstler stellt im deutschen Pavillon aus. Plus: Massimiliano Gioni, Ai Weiwei


