Bildhauer
Franz West gestorben
Franz West ist tot. Mit ihm verliert Österreich einen seinen bedeutendsten Künstler und die Kunstwelt einen wichtigen Impulsgeber für die zeitgenössische Bildhauerei
Wie die österreichische "Kleine Zeitung" meldet und ein Künstlerfreund gegenüber Monopol bestätigt, erlag der 1947 geborene Künstler in der Nacht zum Donnerstag einer langen Krankheit. West habe seit Jahren an infektiöser Gelbsucht gelitten.
Der in Wien lebende Franz West gehörte zu den wichtigsten Künstlern seines Landes. Er wurde Mitte der 70er-Jahre mit seinen sogenannten Passstücken bekannt: schneeweiße, organische Formen aus Pappmachee oder Gips – Skulpturen, die man sich nicht einfach anschauen soll, sondern anfassen und benutzen durfte. West revolutionierte die Skulptur nicht durch formale Neuerungen oder besondere Materialien, sondern vor allem indem er sie vom „Nicht berühren!“-Gebot des Museums befreite.
Als „Passstück für den menschlichen Körper beim Ruhen“ bezeichnet West seine Möbelskulpturen, die ab Mitte der 80er-Jahre entstanden. Auf der Documenta IX 1992 stellte er 72 Sofas aus: mit gebrauchten orientalischen Teppichen belegte Eisengestelle, auf denen sich die Besucher der Kunstschau entspannen konnten und die zugleich gemütlich und muffig aussahen. West „macht aus uns Zigeuner“, schrieb der damalige Documenta-Leiter Jan Hoet. „Diese Bänke sind uns fremd, weil es fremde Referenten sind. Türken und Marokkaner leben in solchen Situationen, in unserer Gesellschaft wollen wir das nicht.“ Zugleich ließ die Installation auch an Sigmund Freuds Couch denken. West selbst bemerkte, dass man die Sofas durchaus auch nutzen könne, um Sex darauf zu haben.
West wusste, dass Tabuverletzungen besonders zeichenintensiv sind. Seine Außenskulpturen sehen aus wie Exkremente oder Geschlechtsteile, überdimensional und in schrillen Farben. Die Lemurenköpfe, benannt nach Geisterwesen der römisch-antiken Religion, sind verzerrte Fratzen, die in Parks aufgestellt werden und in deren Münder die Passanten Müll schmeißen sollen.
Im vergangenen Jahr wurde der Künstler auf der Venedig-Biennale mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Auf der diesjährigen Ausgabe der Kunstmesse Art Basel zeigte Wests Galerist Larry Gagosian in der Sektion "Art Unlimited" die haushohe Skulptur "Gekröse". In Deutschland war sein Werk zuletzt umfassend 2010 in einer Retrospektive im Kölner Museum Ludwig zu sehen. Das Wiener Museum Mumok plant eine Werkschau ab Februar 2013. (monopol)
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