Interpol

Dennis Hoppers Fotografien in Berlin

Und plötzlich diese Aura

So wird das Wort Vintage wieder tragbar: Mit Dennis Hoppers Fotos im Berliner Martin-Gropius-Bau

von Jens Hinrichsen
17.09.2012

Walter Benjamin hatte wohl recht. Die Aura schwindet – im Kino oder in der Fotografie. Und das Problem der „technischen Reproduzierbarkeit“ wird im digitalen Zeitalter größer. Schaut man sich aber die 40 Jahre alten Abzüge an, die Dennis Hopper von seinen Negativen machte, ist die Aura plötzlich wieder da. Dringt aus den abgewetzten Rändern der Vintage-Prints, spricht aus jeder Delle und jedem Kratzer im Fotopapier. Die Schau „The Lost Album“ im Berliner Martin-Gropius-Bau verspricht eine ästhetische Erfahrung, die der Generation Upload eher fremd geworden ist.

Nach Hoppers Tod 2010 tauchten fünf Kisten mit über 400 Originalabzügen auf. Die Bilder entstammen einer Phase, in der Hopper, als Schauspieler zeitweilig unterbeschäftigt, die Nikon sogar ins Bett mitnahm und praktisch alles und jeden auf Schwarz-Weiß-Film bannte: Künstlerfreunde aus Los Angeles, street life in Harlem, Stierkämpfe in Tijuana oder einen Friedensmarsch Martin Luther Kings.
Als Hopper Ende der 60er die Regie von „Easy Rider“ übernahm und damit seine Filmkarriere wieder ins Rollen brachte, war es mit dem Fotografieren für lange Zeit vorbei. Aber wohl gerade deshalb wollte er mit seiner Soloschau im texanischen Fort Worth Art Center Museum die Essenz seines fotografischen Werks präsentieren – eine historische Ausstellung, aus der die wiedergefundenen Abzüge stammen: Kleinformate auf Karton aufgezogen, mit kleinen Holzleisten direkt, ohne schützendes Glas, an der Wand montiert.

Die Kuratorin Petra Giloy-Hirtz hat sich für die Neupräsentation in Berlin (noch vor den Schauen in den USA) starkgemacht. Wer im Fall der bereits bekannten Fotos, zum Beispiel des „Double Standard“-Motivs, nur die späteren (und größeren) Abzüge oder Reproduktionen kennt, wird Überraschungen erleben. Auch die ungewöhnlichen Anschlüsse von Bild zu Bild in Hoppers 1969er-Ausstellung übernimmt Giloy-Hirtz weitgehend und betont damit den ausgesprochen filmischen Charakter dieser Fotografie. Wenn etwa die US-Schauspielerin Tuesday Weld auf das Bild eines einsamen Mädchens am Fenster trifft, vermischen sich Glamour und Tristesse. Wie im wahren Leben von Dennis Hopper.

"Dennis Hopper - The Lost Album. Vintage-Fotografien aus den 1960er Jahren", Martin-Gropius-Bau, Berlin, 20. September bis 17. Dezember 2012. Monopol bietet eine Fotografie als Edition an

Dieser Artikel erschien in Ausgabe 09/2012. Sie können das Heft hier bestellen.

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