Berlin Art Week 2012

Berlin Art Week

Und jetzt alle!

Kein Mensch ist eine Insel: Zur ersten Berlin Art Week soll die Berliner Kunstszene endlich an einem Strang ziehen

10.09.2012

In der Mode hat es geklappt: Die Berlin Fashion Week hat einen festen Platz im Kalender der Modefreunde erobert. Jetzt soll das Gleiche auch für die Kunst funktionieren. Ein Jahr nach dem unrühmlichen Ende des Berliner Art Forums startet erstmals die Berlin Art Week als gemeinsame Veranstaltung der übrig gebliebenen Messeformate Art Berlin Contemporary (ABC) und Preview sowie wichtiger Institutionen der Stadt. Endlich unterstützt auch der Senat den Kunststandort, er hat die Initiative koordiniert und finanziert das Marketing.

"Die Berlin Art Week ist unsere Antwort auf die zunehmende Standortkonkurrenz auf dem internationalen Kunstmarkt", sagte Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz bei der Vorstellung der Initiative. Kulturstaatssekretär André Schmitz erklärte, die Einigung auf eine konzertierte Aktion werde den Kunst- und Produktionsstandort Berlin insgesamt voranbringen.

Moritz van Dülmen, Geschäftsführer der für die Gesamtorganisation verantwortlichen Kulturprojekte Berlin Gesellschaft, sagte der Nachrichtenagentur dpa am Montag: "Wir haben gemeinsam den Grundstein für eine langfristige Kooperation gelegt. Das ist auch ein Versprechen, das man an die internationalen Märkte sendet: Mit der Berlin Art Week ist ein Kunsthöhepunkt in der Hauptstadt gesetzt, im September fährt man nach Berlin. Das verweist in die Zukunft."

Alle wichtigen Häuser für zeitgenössische Kunst von Akademie der Künste, Berlinischer Galerie, C/O Berlin, Hamburger Bahnhof, Haus der Kulturen der Welt bis zu den Kunst-Werken und den beiden Kunstvereinen NBK und NGBK sind offizielle Partner der Kunstwoche, die am Dienstag beginnt. Der Verein der Freunde der Nationalgalerie verkündet die Shortlist zum Preis der Nationalgalerie, und natürlich erhoffen sich die ABC und die Preview viel Publikum.

Udo Kittelmann, seit 2008 Direktor der Nationalgalerie, nannte die Kooperation weltweit einmalig. Und für die NGBK hob Geschäftsführerin Karin Rebbert die inhaltliche Eigenverantwortung der Teilnehmer hervor: "Jeder macht das, was er kann."

Zur ABC, die wie voriges Jahr in den Hallen der Station Berlin am Gleisdreieck stattfindet, haben sich knapp 120 Galerien angesagt, davon 69 aus Berlin. Ein übergeordnetes kuratorisches Konzept gibt es diesmal nicht, die Galerien konnten selbst auswählen, wen sie zeigen – so rückt die ABC konzeptionell an hergebrachte Messeformate heran. Für zusätzlichen Input sollen nun jährlich Gastinstitutionen sorgen: Diesmal ist der New Yorker Artist Space eingeladen, der Gesprächsreihen und künstlerische Interventionen organisiert und einen „Basar“ mit Kreativen veranstaltet, darunter die Modemacherinnen Bless und der Designer Clemens Tissi. Leiter Guido Baudach sagte auf Anfrage, er gehe mit großen Erwartungen in die Woche: "Dass jetzt alle Partner, die Kunst ausstellen - sowohl die kommerziellen wie die öffentlichen - an einem Strang ziehen, ist eine tolle Sache für Berlin."

Die Preview als Messe der weniger etablierten Galerien bleibt ihrem Konzept im Hangar 2 des ehemaligen Flughafens Tempelhof treu. "Wir sind total froh und stolz, dass wir das hier auf die Reihe gekriegt haben. Hier bildet sich Berlin ab", sagte Preview-Direktor Kristian Jarmuschek. Zusätzlich bietet die Messe deutschen Kunsthochschulen ein Forum.Die Berliner Liste findet ebenfalls zur selben Zeit statt, wenn auch nicht unter dem offiziellen Dach der Art Week.

Die Institutionen wollen in den kommenden Jahren auch inhaltlich mehr gemeinsame Projekte auf die Beine stellen – noch konnten die Eröffnungen der großen Häuser nicht an den Termin angepasst werden. Doch der erste Schritt ist getan. Private Akteure planen auch außerhalb des offiziellen Programms zahlreiche Events: Johann König lädt zum ersten Mal in die Kirche St. Agnes und stellt die Umbaupläne des Architekten Arno Brandlhuber vor, der Sammler Christian Boros eröffnet eine neue Ausstellung in seinem Bunker. Und der Schinkel Pavillon präsentiert Cyprien Gaillard: Der verspricht der Stadt im Umbruch ein echtes Bagger-Ballett. (monopol/dpa)

Berlin Art Week, 11. bis 16. September, 2012

Zur Berlin Art Week erscheint mit Monopol Berlin ein neuer Reiseführer im Magazinformat speziell für die Kunst- und Kulturstadt Berlin. Mehr zur Berlin Art Week auch in unserem Dossier.