Atelier von Joseph Beuys wird Teil des Museums Kurhaus in Kleve
Der mit dem Hut schon wieder
Aquarelle, Zeichnungen, Objekte, eine verwesende Ratte im Karton, abgetane Dinge, verwandelt in Schweigen und Geheimnis - so schilderten Zeitzeugen Joseph Beuys' Atelier. An diesem Sonntag werden die Werkräume des Künstlers in seiner Heimatstadt Kleve erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich
Ende der 50er-Jahre ging nichts mehr. Die Ideen des Vorzeigeschülers von Ewald Mataré schienen aufgebraucht, kein Erfolg. Beuys verließ Düsseldorf und zog in seine Heimatstadt Kleve. Er arbeitete bei den Brüdern van der Grinten auf dem Feld und wohnte in seinem Elternhaus. Bei einem Spaziergang entdeckte er die leer stehenden Räume des Friedrich-Wilhelm-Bads. Dort, im ältesten Teil des spätklassizistischen Kurhauses der Stadt, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eine Schuhfabrik untergebracht, die jedoch pleiteging. Beuys mietete die Räume an und behielt dort für sieben Jahre das Atelier.
Der Abstand zu Düsseldorf, zur Akademie und der dortigen Kunstszene half ihm, das bildhauerische Vokabular zu erfinden, mit dem er bald darauf bekannt wurde. In Kleve schuf Beuys erste archaische Formen, die religiös und mystisch beeinflusst waren, außerdem begann er das Zeichnungskompendium „Projekt Westmensch“. Beuys arbeitete die meiste Zeit in einem knapp 40 Quadratmeter großen, heruntergekommenen Raum, der im Kurhaus offen gelassen worden war. Er hatte kaum Kontakte, keinen Besuch. Nur Monika und Alfred Schmela fuhren einmal nach Kleve: Beuys kochte Schweinsfüße.
Das Atelier schilderten sie später so: „Aquarelle, Zeichnungen, Objekte, eine verwesende Ratte im Karton, abgetane Dinge, verwandelt in Schweigen und Geheimnis.“ Einige wenige Fotos existieren aus dieser Zeit, und sie lassen ahnen, mit welcher Intensität Beuys in den kahlen Räumen voll von Fundstücken und rohem Material vorging. Die Klausur brachte Ergebnisse. In Kleve entstanden das monumentale Eichenkreuz und 1958/59 das „Büdericher Ehrenmal“ in Form eines großen hölzernen Tors. Ebenso viele Werke, die später in den Darmstädter „Block Beuys“ eingingen.
Dass dieses Atelier nun fester Bestandteil des Museums wird, ist ein großer Erfolg für Guido de Werd, den Begründer und langjährigen Leiter des 1997 im Kurhaus eröffneten Ensembles. „Lange befand sich das Klever Stadtarchiv in dem Gebäude. Als es auszog, konnten wir Ende 2007 mit ersten Planungen, 2009 mit den Bauarbeiten beginnen. Nun nähern wir uns dem Originalzustand des Kurhauses wieder so weit wie möglich an und gewinnen innerhalb der historischen Substanz 700 Quadratmeter Ausstellungsfläche hinzu.“
Zur Wiedereröffnung des Ateliers im Museum Kurhaus Kleve am 9. September richtet Guido de Werd mit der Ausstellung „Mein Rasierspiegel – Von Holthuys bis Beuys“ eine Sammlungspräsentation mit Werken vom Barock bis zur Gegenwart ein (bis 13. Januar 2013). In den ehemaligen Räumen des Studios werden Zeichnungen, Aquarelle und frühe Gipsformen gezeigt
Dieser Artikel erschien in Ausgabe 09/2012. Sie können das Heft hier bestellen.
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