Tipps und Termine (14.-16.9.)
Wohin am Wochenende?
Art Alarm in Stuttgart, Anthony Cragg in Hannover, Björn Dahlem in Braunschweig, der Kunstpreis Böttcherstraße in Bremen, Albert Watson in Hamburg, André Butzer in Krefeld, Doug Aitken in Liverpool, "Künstlerkinder" in Emden, Selbstporträts im Louisiana-Museum, Herbstrundgang in Leipzig und Andreas Slominski in New York
- kestnergesellschaft
- Kunsthalle Emden
- Galerie Börgmann
- Leipziger Baumwollspinnerei
- Kunsthalle Bremen
- Kunstverein Braunschweig
Anthony Cragg in Hannover
Er schafft atemberaubende Skulpturen zwischen archaisch-elementarischer Gestaltung, erzählerischer Assoziation und formaler Erotik: Der Bildhauer Anthony Cragg, 1949 in Liverpool geboren, zeigt Arbeiten aus 40 Schaffensjahren. Die zugleich in der Kestnergesellschaft und in einem Showroom der Norddeutschen Landesbank in Hannover stattfindende Soloschau hat retrospektiven Charakter, raumgreifende Werke sind darin genauso vertreten wie kleinere Skulpturen, Zeichnungen, Drucke und Grafiken. Skulpturen der Werkserien „Early Forms“ und „Rational Beings“ aus den vergangenen zwei Jahrzehnten gesellen sich zu frühen Arbeiten, aus denen Tony Craggs Auseinandersetzung mit Arte povera und Land-Art spricht.
Kestnergesellschaft und NORD/LB Art Gallery, Hannover, 14. September bis 4. November, Eröffnung 13. September um 19.30 Uhr
Björn Dahlem: „The End of it all”
Im September-Monopol begeisterte Björn Dahlem mit seinem Bildessay über das Weltall in der Kunst. Sein Spiel mit Alltagsmaterialien, die der 1974 in München geborene Künstler zu Zeichen kosmischer Phänomene umdeutet, zieht auch im Braunschweiger Kunstverein weite Kreise. Dahlems „Sonne“, eine Skulptur aus Holz, Stahl und Lampen, zieht den Betrachter bereits im Entree des Hauses Salve Hospes in ihren Bann. Mit weiteren auf Astronomie, Teilchenphysik oder Quantenmechanik bezogenen Konstruktionen unterläuft der Künstler die gewohnte Wahrnehmung von Objekt und Raum, stellt diese sogar – der Ausstellungstitel spielt immerhin auf das Weltende an – unter apokalyptische Vorzeichen.
Kunstverein Braunschweig, 15. September bis 18. November, Eröffnung 14. September um 19.00 Uhr
Herbstrundgang in Leipzig
Unter dem Motto «Richtung Kunst» laden am Samstag ab 11 Uhr die Galeristen auf dem Gelände einer ehemaligen Baumwollspinnerei in Leipzig zum alljährlichen Herbstrundgang. In den zahlreichen Ausstellungen sind Malereien, Plastiken, Installationen und Fotografien nationaler und internationaler Künstler zu sehen, teilten die Veranstalter mit. Die Galerien sind auch am Sonntag geöffnet. Die Baumwollspinnerei, wo auch Maler-Star Neo Rauch sein Atelier hat, veranstaltet traditionell zweimal im Jahr die großen Rundgänge - einmal im Frühjahr und einmal im Herbst.
Leipziger Baumwollspinnerei, 15.-16.9.
„Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen“
And the Winner is? Zehn Künstlerinnen und Künstler sind für den mit 30000 Euro dotierten Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen nominiert, aber wer den Sieg davonträgt, wird erst im Verlauf der Gruppenschau in der Kunsthalle Bremen bekanntgegeben. Tino Sehgal, Ulla von Brandenburg und zuletzt Thea Djordjadze haben den renommierten Preis schon bekommen, nun hat eine Reihe prominenter Kuratoren (darunter Bice Curiger und Hans Ulrich Obrist) unter anderen die Künstler Kerstin Brätsch, Marianna Christofides, Jos de Gruyter, Karl Holmqvist und Abel Auer vorgeschlagen. Die ursprünglich von einem kunstsinnigen Kaffeekönig ausgelobte und seit 1985 im Zweijahresturnus vergebene Auszeichnung hat Tradition: Erstmals wurde sie 1955 verliehen, im Geburtsjahr der documenta.
Kunsthalle Bremen, 16. September bis 16. Dezember
André Butzer: „Bibliothek des 21. Jahrhunderts“
„Der wahrscheinlich beste abstrakte Maler der Welt“ – so der Titel von André Butzers Solo 2011 in der Kestnergesellschaft Hannover – muss ja nicht unentwegt malen. Dass der 1973 in Stuttgart geborene Künstler auch ein (mindestens) guter Konzeptualist ist, zeigt er jetzt in der Krefelder Galerie Börgmann. Inspiration für die Fotoreihe „Bibliothek des 21. Jahrhunderts“ waren tote Künstler und Philosophen, die der Künstler sich als „Lieblingspersönlichkeiten oder Schutzheilige“ (Butzer) erkoren hat. Gemeinsam in die Zukunft blicken Friedrich Hölderlin, Walt Disney, Martin Heidegger oder Piet Mondrian – doch auch Griechenland oder das aus Butzers Malerei bekannte „Nasaheim“, ein angeblicher Wallfahrtsort im Weltraum, kommen vor.
Galerie Börgmann, Krefeld, bis 13. Oktober, Eröffnung am 15. September um 20 Uhr
Doug Aitken: „The Source“
Ein vom britischen Architekten David Adjaye entworfener Pavillon auf der 7. Liverpool Biennale zeigt eine ungewohnte Seite des kalifornischen Videokünstlers Doug Aitken. Berühmt für suggestive audiovisuelle Räume, die um Themen wie Natur und Zivilisation kreisen, präsentiert Aitken hier eine Reihe von Video-Interviews. Zur Frage „Wie entsteht ein kreativer Prozess und wie kann er wahrgenommen werden?“ äußern sich unter anderen die Schauspielerin Tilda Swinton, der Musiker Devendra Banhart, bildende Künstler wie Thomas Demand, Stephen Shore, Ryan Trecartin oder der im Januar verstorbene Mike Kelley.“Ich will, dass die Installation zu einer Anlaufstelle wird“, sagt Aitken, „einem Ort, zu dem man hingehen kann und dann durch dieses weite Feld von Ideen läuft.“
Liverpool Biennale, 15. September bis 25. November („The Source“ danach noch bis 13. Januar 2013)
Stuttgarter Galerien schlagen Art Alarm
Vanessa Henn kennt sich
nicht nur gut aus in Stuttgart, sie hält dort auch die Augen offen. Sie
ist eine von über 50 Künstlern und Künstlerinnen, die auf dem 13.
Galerienrundgang Stuttgart, dem Art Alarm, Werke präsentieren. Henn
formt Stege, Geländer und andere Funktionselemente des öffentlichen
Raums zu absurden Skulpturen um – in der Galerie Michael Sturm. Über 20
weitere Galerien haben sich zu der Auftaktveranstaltung am Wochenende zusammengeschlossen. Renommierte Häuser wie
die Galerien Abtart, Franke, Reinhard Hauff oder Parrotta Contemporary
Art stellen dabei die Vielfalt der Kunst in Stuttgart von der
klassischen Moderne bis zur Gegenwart heraus. Künstlerplakate von Jean
Dubuffet gibt es ebenso zu sehen wie wilde Malerei von Walter Stöhrer
oder Kühl-Konzeptuelles von Thomas Locher. Verlockendes Angebot: Man
kann sich mit Limousinen von Ausstellung zu Ausstellung chauffieren
lassen. Dringend sollte man dem Fahrer auch an der Haustür der Edith
Wahlandt Galerie ein Zeichen geben, sonst verpasst man womöglich die
raffinierten Plastiken und Zeichnungen von Norbert Kricke. Bei Angelika
Harthan sind Magdalena Jetelovás Rauchzeichnungen zu sehen. Art Alarm
ist besser als heulende Feuermelder.
Art Alarm, Stuttgart, 15. bis 16. September
Andreas Slominski: „Sperm“
Seine Arbeiten, nicht
nur die berühmten „Fallen“-Objekte, steigern die Gehirntätigkeit. Bei
Andreas Slominski muss man um die Ecke denken, zum Beispiel auch, was
das Einladungsmotiv seiner Ausstellung bei den New Yorker Metro Pictures
angeht. Wieso eine Dollar-Münze? Als money shot wird eine
kostspielige und/oder spektakuläre Film-Einstellung bezeichnet – und in
der Pornoindustrie sind der money shot und der cum shot gleichbedeutend.
Hier findet man die Verbindung zu Slominskis Ausstellung, die
hauptsächlich aus Wandarbeiten mit menschlichem und tierischem Sperma
besteht. An dieses Material dürfte sich das New Yorker Publikum seit
Dash Snows oder Terence Kohs Ejakulations-Werken gewöhnt haben.
Metro Pictures, New York, bis 26. Oktober
"Künstlerkinder" in Emden
Kinder von großen Malern von Runge bis Richter, von Otto Dix bis Picasso kommen jetzt in der Emder Kunsthalle groß heraus. Bis Januar 2013 sind 140 Kinderporträts von 50 bedeutenden Künstlern der vergangenen 200 Jahre in der ostfriesischen Stadt zu sehen. Mit der neuen Ausstellung öffnen sich für Besucher von diesem Samstag an erstmals die privaten und intimen Bereiche der Künstler des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart: Wie sehen diese ihren Nachwuchs? "Mit eigenen Kindern verändert sich der Blick auf die Werke", beschrieb der wissenschaftliche Direktor Frank Schmidt am Freitag den Charakter der Schau. (dpa)
Kunsthalle Emden, 15.9.-20.1.2013
Louisiana zeigt Selbstporträts
Dänemarks bekanntestes Kunstmuseum nimmt das Selbstporträt als Kunstgattung unter die Lupe. Seit Freitag ist im Louisiana-Museum für moderne Kunst in Humlebæk eine Ausstellung mit 150 Selbstdarstellungen berühmter Künstler aus dem 20. Jahrhundert zu sehen. Zu den ausgestellten Arbeiten gehören Selbstporträts von Pablo Picasso, Henri Matisse, Edvard Munch, Frida Kahlo, Salvador Dalí und Andy Warhol. Vertreten sind auch die Deutschen Georg Baselitz, Gerhard Richter sowie der Brite David Hockney. Zu den gezeigten jüngeren Künstlern gehören Nan Goldin, Sam Taylor-Wood und Pipilotti Rist. (dpa)
Louisiana-Museum, Humlebækbis, bis 13.1. 2013
Albert Watson in Hamburg
Seine Bilder sind Ikonen der Fotografie: Der britische Fotograf Albert Watson lichtete Stars wie Mick Jagger, Alfred Hitchcock, Kate Moss und Johnny Depp ab. Für die Initiative «Cotton made in Africa» porträtierte der 70-Jährige im Dezember 2011 zwei Wochen lang Baumwollbauern im afrikanischen Benin. "Ich habe für alle Menschen, die ich fotografiere, den selben Respekt. Egal, ob ich nun Steve Jobs oder einen Händler in Marrakesch fotografiere", sagte Watson am Donnerstag in Hamburg. Seine einfühlsamen Porträts sind im Rahmen einer Gesamtschau unter dem Titel «Albert Watson: Visions feat. Cotton made in Africa» zu sehen. (dpa)
Haus der Photographie der Hamburger Deichtorhallen, bis zum 6. Januar 2013
Weitere Termine für Deutschland, Österreich und die Schweiz finden Sie in unserem Vernissage-Kalender
Zur Berlin Art Week finden sie Termine und Tipps in unserem Dossier
Sind wir so?
Malerei aus Deutschland: schwermütig und düster.
Stimmt das oder ist
es ein Vorurteil?
Manfred Kuttner Er war Mitbegründer des
"Kapitalistischen Realismus", dann wurde er vergessen. Jetzt folgt die Renaissance des Malers
Portfolio: Philip-Lorca diCorcia Der
amerikanische Fotograf hat sich auf die Spuren von John Steinbeck
begeben und stellt mit "East of Eden" einen neuen Bilderzyklus vor
Ab nach ... Zürich und Basel Wohin beim
Galerienwochenende in Zürich und während der Art Basel? Außerdem:
Maurizio Cattelan meldet sich mit einer Soloschau in der Fondation
Beyeler zurück - ein Interview. Und: Kuratorin Beatrix Ruf über ihr
neues Projekt POOL
Zusätzlich in dieser Ausgabe: Unser Sonderheft zur Biennale Venedig Das Magazin zur Kunstschau des Jahres. Porträt: Anri Sala. Der Künstler stellt im deutschen Pavillon aus. Plus: Massimiliano Gioni, Ai Weiwei


