Künstler für deutschen Pavillon stehen fest
Vier für Venedig
Dayanita Singh, Ai Weiwei, Romuald Karmakar, Santu Mofokeng: Susanne Gaensheimers Auswahl für den deutschen Pavillon 2013. Ein Kommentar
Susanne Gaensheimer hat wieder einmal alle überrascht. Nachdem sie zur Kunstbiennale Venedig 2011 den deutschen Künstler und Regisseur Christoph Schlingensief eingeladen hatte, den deutschen Pavillon zu bespielen – und mit der postumen Präsentation des im Jahr 2010 verstorbenen Schlingensief prompt den Goldenen Löwen gewann, werden im folgenden Jahr gleich vier Künstler im deutschen Staatenhaus an der Lagune auftreten, und zwar aus vier Nationen. Die Ehre teilen sich der Chinese Ai Weiwei, der 1965 in Wiesbaden geborene Regisseur Romuald Karmakar, der südafrikanische Fotograf Santu Mofokeng – sowie die indische Fotografin Dayanita Singh, von der Monopol bereits im März 2011 ein ausführliches Portfolio zeigte (siehe Bilderstrecke zum Artikel).
So weit, so erstaunlich. Gruppenpräsentationen im deutschen Pavillon glückten bislang eher selten, Solo-Ausstellungen waren dagegen erfolgreicher, etwa von Hans Haacke 1993 oder von Gregor Schneider 2001. Dazu ist, genauso wie bei Nicolaus Schafhausens Auswahl des Briten Liam Gillick im Jahr 2009, die Frage, ob ein deutscher Künstler den deutschen Pavillon bespielen müsse, Nebensache.
Nach ihrer Auswahl gefragt, erklärt Gaensheimer, dass Transnationalität und internationaler Austausch sowohl die Gesellschaft als auch die Kunstszene heute prägten. „Bei allen vier Künstlern gibt es eine starke Erfahrung von Internationalität. Dazu haben alle vier starke Bezüge zur deutschen Kunstwelt.“ So hatte Ai Weiwei auf der letzten Documenta und im Münchner Haus der Kunst große Auftritte, die Inderin Singh stellte im Hamburger Bahnhof in Berlin aus und arbeitet eng mit dem Göttinger Verleger Gerhard Steidl zusammen, Santu Mofokeng war auf der Documenta im Jahr 2002 zu sehen und wird vom Ulmer Fotografiesammler Artur Walther ausgestellt.
Es bleiben Fragen
Der Filmemacher Karmakar, so Gaensheimer, beschäftige sich mit der unmittelbaren Lebenswirklichkeit und wie diese durch der Veränderungen der Welt geprägt sei. Singh kultiviert einen fotografischen Ansatz zwischen Dokumentation und Erzählung. An Mofokeng interessiere sie, sagt Gaensheimer, dass er im Unterschied zum Fotografen David Goldblatt nicht die Perspektive eines Weißen auf Südafrika einnehme, sondern eine Binnenperspektive. Und Ai Weiwei schließlich arbeite sehr politisch, er beschäftige sich mit Kulturimport und dem Verhältnis von Tradition und Gegenwart.
Es bleiben dennoch Fragen. Sicher, es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass Ai Weiwei weiterhin China nicht verlassen darf – und es wird spannend sein, zu sehen, ob es ihm im kommenden Jahr aus Anlass der Biennale dennoch gelingt. Aber wäre ein Fokus auf andere chinesische Künstler nicht genauso angemessen? Tatsache ist, Ai wird in jedem Fall für Schlagzeilen sorgen. Der Filmemacher Karmakar dagegen hat einen großen Auftritt längst verdient. Singh und Mofokeng sind herausragende Fotografen, aber was ihre Auswahl im Konzert mit Karmakar und Ai Weiwei bedeutet, muss sich erst noch herausstellen. Fest steht schon jetzt: Einfach macht es sich Gaensheimer mit ihrer Künstlerauswahl sicher nicht. Aber das war sicher auch nicht ihr Bestreben.
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