Interpol

Das neue Stedelijk-Museum

Amsterdams Badewanne

Verspätet, überteuert, aber doch endlich fertig: Das neue Stedelijk-Museum eröffnet

22.09.2012
zur Bilderstrecke

Was den Berlinern ihr neuer Flughafen, ist den Amsterdamern der Umbau ihres Stedelijk Museums: eine Tourette-verdächtige Abfolge von Pleiten, Pech und Pannen, ein Taxi- wie Fahrstuhlfahrten beherrschendes Ärgernis. Dabei liefert das Warten nicht nur Gesprächsstoff, es erhöht bekanntermaßen auch die Vorfreude. Nach diversen Verzögerungen, dem Konkurs des Bauunternehmens und Mehrkosten von rund 37 Millionen Euro ist es jetzt so weit: Am Samstag eröffnet Königin Beatrix das neue Stedelijk. Im ersten Stock wird sie einer guten Bekannten begegnen: H.M., ein Porträt der Monarchin von dem belgischen Maler Luc Tuymans. Das neueste Stück der Sammlung.

Mehr zu diesem Artikel:
Bilderstrecke: 6 Bilder
  • Alle Fotos: John Lewis Marshall

Das Architektenbüro Benthem Crouwel zeichnet verantwortlich für den Erweiterungsbau, dessen Kunststofffassade sich klar vom 1905 im Neorenaissance-Stil errichteten Stammhaus abgrenzt. Man solle sofort sehen, „dass es sich um ein Bauwerk aus dem Jahr 2012 handelt“, sagt Mels Crouwel, der dem Haus gleich auch den Spitznamen „Badewanne“ mitgegeben hat. Dass Amsterdamer über die Badewanne lästern, stört den Architekten nicht. "Ach, das ist typisch für Amsterdam. Aber zumindest reden sie darüber."

Crouwel wollte eine glatte Fassade, wie aus einem Stück gegossen. Das war aber mit Stein oder Stahl unmöglich. Doch es gelang mit einer Mischung aus einem Kunststoffharz und der Synthetikfaser Twaron. Zum ersten Mal wurde das Material, das sonst für Satelliten, aber auch Soldatenhelme benutzt wird, bei einem so großen Gebäude verwendet. Der Vorteil: Es bleibt auch bei starker Hitze oder Kälte konstant und ist fünfmal so stark wie Stahl.70 Prozent mehr Ausstellungsfläche stehen Stedelijk-Direktorin Ann Goldstein künftig zur Verfügung, sie will aus dem Haus „wieder ein internationales Weltklassemuseum machen“.

Goldstein hatte die Wiedereröffnung mit einer Retrospektive des Künstlers Mike Kelley begehen wollen, musste nach dessen Tod im Januar aber umdisponieren und lud stattdessen 20 in den Niederlanden lebende junge Künstler zur Gruppenschau „Beyond Imagination“ ein. Die Kelley-Schau soll ab Mitte Dezember folgen. (monopol/dpa)

ANZEIGE
AKTUELLES HEFT
Aktuelles Heft

10 Jahre Monopol Das Magazin für Kunst und Leben präsentiert sich zum Jubiläum in einem neuen Look: klarer, übersichtlicher, leserfreundlicher, mit neuen Kolumnen und Rubriken

Gerhard Richter Vor seiner Retrospektive in der Fondation Beyeler spricht der Maler mit Kurator Hans-Ulrich Obrist über Schönheit, Meisterschaft und Zweifel  

Jonathan Lethem Der amerikanische Schriftsteller stellt Monopol exklusiv einen Text über Kunst zur Verfügung: Freie Improvisationen zum fotografischen Werk von Gregory Crewdson 

Gallery Weekend Berlin Anfang Mai blickt die Kunstwelt auf die Hauptstadt: Viele Galerien zeigen ihre wichtigste Ausstellung des Jahres. Wir stellen eine Auswahl vor 

Ab nach ... New York James Franco verrät, wo man am besten frühstücken, küssen, heiraten kann. Fotografiert von Daniel Arnold kurz vor der Frieze Art Fair

Monopol 05/2014
AM KIOSK
AUF DEM iPAD
IM SHOP
ALS ePaper
ANZEIGE